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Livekritik zu

Salzburger Festspiele 2015

18.07.2015 - 30.08.2015 | Salzburg / Salzburger Festspiele
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cgohlke
am 05.08.2015

Casta Diva

Vincenzo Bellinis „Norma“ als umjubelte Wiederaufnahme bei den Salzburger Festspielen

 

Der Jubel war groß nach der Vorstellung von Bellinis „Norma“ im Haus für Mozart. Und wirklich, dem Regie-Duo Moshe Leiser und Patrice Caurier ist mit ihrer Inszenierung, die 2013 bei den Pfingstfestspielen Premiere hatte, ein packender Opernabend geglückt. Die Geschichte um die Priesterin Norma haben die beiden Regisseure ins Frankreich der 1940er Jahre verlegt. Das geht auf, so lange es um die Schilderung eines von Fremdherrschern besetzten Landes geht. Gallien, das ist hier eben das von den Deutschen besetzte Frankreich. Problematisch wird es am Schluss, wenn Norma als Priesterin spricht. Dafür haben die Regisseure keine Entsprechung gefunden; das Motiv geht in ihrer Inszenierung verloren. Schlimm ist das nicht, weil der Abend sich ganz auf die Beziehungen der Protagonisten zueinander konzentriert. Hier steht Norma in jedem Sinne im Mittelpunkt. Cecilia Bartoli spielt und singt diese zwischen Liebe und Hass, Loyalität und Verrat zerrissene Frau mit so leidenschaftlicher Hingabe, mit so glühender Intensität, dass Momente großer Eindringlichkeit entstehen. Wenn sie nach einer zart-verhaltenen Orchestereinleitung zu ihrem „Casta Diva“ ansetzt, das sie in zarten Linien als inniges Gebet singt und dabei mit herrlichen Piani mühelos den Raum füllt, hält man den Atem an. Packend gelingen aber auch die großen dramatischen Auseinandersetzungen mit der Freundin/Rivalin Adalgisa und mit dem Geliebten/Verräter Pollione. Rebeca Olvera gibt dank einer hellen, mühelos ansprechenden Stimme eine noch ganz junge, fast ein wenig mädchenhaft wirkende Adalgisa und bildet so den nötigen Kontrast zur reiferen, herberen Norma, die samt der gemeinsamen Kinder von Pollione sitzengelassen wird. John Osborn singt die Partie mit kraftvollem Tenor, bleibt darstellerisch aber vielleicht etwas blass. Wenn im Fianle die aufgebrachte Menge (transparent und zupackend gleichermaßen: Coro della Radiotelevisione Svizzera) wissen möchte, wer die von Norma des Verrats Beschuldigte ist und Norma dann nach kurzem Zögern ihren eigenen Namen nennt („Son io“), singt sie ihr Geständnis direkt in Polliones Gesicht und macht ihm klar, wie prekär und letztlich verheerend ihr Leben mit ihm war. Selbst der strenge Oroveso, dem Michele Pertusi mit machtvollem, rundem Bass starke Präsenz verleiht, ist davon gerührt. Das Publikum ist es nicht minder, und dies umso mehr als Giovanni Antonini im Orchestergraben die große Geste eher scheut. Wie Herr Antonini diese Partitur mit seinem zupackend musizierenden Orchestra la Scintilla zum Klingen bringt, ist vielleicht die eigentliche Sensation des Abends: Klar und transparent, mit sprechenden Holzbläserstimmen, großer Sensibilität und großer Dramatik.

 

Salzburg, 3. August 2015

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