Overlay
Livekritik zu

Don Carlo

25.07.2013 - 24.07.2015 | München / Nationaltheater München
« zurück zur Veranstaltungsseite
cgohlke
am 26.07.2015

Fortissimo sempre

Verdis „Don Carlo“ an der Bayerischen Staatsoper

Dass in der Bayerischen Staatsoper Sänger und Dirigenten beim Schlussapplaus mit Buhrufen bedacht werden, kommt nur ganz selten vor. Jetzt zur Festspielzeit ist es bei der Wiederaufnahme von Verdis „Don Carlo“ in der Regie von Jürgen Rose doch einmal passiert. Nicht nur der Dirigent des Abends, Asher Fisch, auch der Sänger der Titelpartie Don Carlo, Alfred Kim, bekam einzelne Buhs zu hören. Ganz unverdient waren sie in beiden Fällen nicht, und der Grund für die Unzufriedenheit dürfte sogar ziemlich identisch sein: Herr Fisch und Herr Kim setzen ganz auf Lautstärke und bleiben  im Ausdruck eindimensional. Alfred Kims Dauerforte wird durch ein mitunter metallisch schepperndes Timbre nicht angenehmer, und Asher Fisch, der das Orchester von Anfang an wuchtig und mit dickem Klang musizieren lässt, gelingt es kaum, dramatische Steigerungen zu gestalten und Spannungsbögen aufzubauen. Darunter leidet der Abend beträchtlich. Das ist umso bedauerlicher als die übrige Besetzung gut, teilweise sogar vorzüglich ist.

Musikalisch und schauspielerisch am besten gelingt der Vierte Akt, vor allem das erste Bild desselben. René Pape glückt (nach einer herrlich gespielten Cello-Einleitung) das „Ella giammai m’amo!“ bewegend. Sein wunderbar dunkler und kraftvoller Bass ist bestens für den Philipp geeignet. Der Großinquisitor, der dem verzweifelten König menschliche Opfer abverlangt, ist bei Rafal Siwek so machtvoll wie einschüchternd. Kaum hat er das düstere Schlafgemach Philipps verlassen, stürzt Königin Elisabeth ins Zimmer und verlangt Gerechtigkeit. Anna Harteros, deren Höhen in den ersten Akten noch ein wenig forciert wirkten, singt und spielt diese Elisabeth jetzt im vierten Akt einfach hinreißend. Ihre farbenreiche Stimme leuchtet, ist aber auch zu großer Zurückhaltung fähig, die gleichwohl eindringlich ist: „Rendetemi la croce!“, fordert sie knapp von der Rivalin Eboli, die Anna Smirnovas mit glutvollem Mezzosopran singt. Auch Simone Piazzola ist mit seinem geschmeidigen, warmen Bariton ein überzeugender Posa. Das waren eindrückliche Szenen in einer sehr zurückgenommenen Inszenierung, die im Jahr 2000 Premiere hatte. Das überwiegend schwarze Bühnenbild lässt die historisierenden, hervorragend gearbeiteten Kostüme von Jürgen Rose sehr gut zur Geltung kommen und schafft eine konzentrierte Atmosphäre, in der die Musik ihre Wirkung aufs allerbeste entfalten könnte, - wenn sie vom Dirigenten denn zur Entfaltung gebracht worden wäre. So blieb dieser Festspielabend trotz großer Besetzung merkmürdig matt und wenig berührend.

München, am 24. Juli 2015

 

 

Besucherfazit

Merkwürdig Matt

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
5 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Katharina Hö
  • Sarah Mauelshagen
  • Odile Swan
  • Ulf Valentin
  • Erzählung
  • Kerstin Al-Najar
  • august14979
  • AnneW
  • Konrad Kögler @ daskulturblog
  • Klaus
  • Susanne Elze
  • Altfriedland
  • Holger Kurtz
  • MartinDoeringer
  • Silke Liria Blumbach
  • Frank Varoquier
  • Rolf Schumann
  • Wilhelmine Molt
  • Ute Schmücker
  • Peter Griesbeck
  • ChrisCross

Für Freikarten und Kulturtipps

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!