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Livekritik zu

La forza del destino

22.12.2013 - 10.05.2015 | München / Nationaltheater München
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cgohlke
am 10.05.2015

Die Macht der Musik

Verdis „La forza del Destino“ in München

 

Die Münchner Opernfreunde kommen, seitdem Kirill Petrenko Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper ist, immer wieder in den Genuß großer Opern- und Konzertabende, und völlig zurecht wird derjenige, der diesen bedeutenden Dirigenten nach München geholt hat – Nikolaus Bachler also – von Presse und Publikum für diese Leistung gelobt und gerühmt. Dass er allerdings auch einen anderen, weniger genialen Dirigenten fest ans Münchner Opernhaus gebunden hat, wird dabei häufig vergessen, obwohl Asher Fisch bald häufiger am Pult des Staatsorchesters steht als Petrenko selbst: Sieben Produktionen sind dem ehemaligen Assistenten Daniel Barenboim in dieser Spielzeit anvertraut, was im Bewusstsein der Öffentlichkeit nur darum kaum eine Rolle spielt, weil es sich dabei in dieser Spielzeit durchweg um, allerdings gewichtige, Repertoire-Aufführungen handelt. Neben der „Zauberflöte“, dem „Don Carlos“, „Tosca“ und „Fastaff“ (um nur die wichgigsten Werke zu nennen, die in seine musikalische Obhut gegeben wurden) leitet Herr Fisch auch die Vorstellungen von Verdis „La forza des destino“, deren Premiere im Dezember 2013 er ebenfalls schon dirigierte. Damals wurde er für ein schwaches Dirgiat vom Publikum mit Buh-Rufen bedacht. Die blieben jetzt zwar aus, und tatsächlich wirkt seine Leitung nicht mehr ganz so konturlos wie bei der Premiere -, Begeisterung will sich aber auch jetzt keine einstellen. Was immer noch fehlt, das sind große spannungsvolle Bögen, das ist detailgenaues, nuancenreiches, farbenreiches Musizieren. Was geboten wird, ist grobe Lautstärke. Darunter leidet die Besetzung, die (vor allem im ersten Teil des Abends) nicht selten vom Orchester zugedeckt wird und darum zum Forcieren genötigt ist. Besonders Jonas Kaufmann, der 2013 in dieser Produktion von Martin Kusej sein Rollendebüt als Alvaro gab, hatte gegen die Übermacht des Orchesters anzukämpfen, vielleicht auch, weil seine Stimme an diesem Abend wohl nicht ideal disponiert war und (bei großen Reserven und starken Höhen) immer ein wenig belegt klang. Packend gelang ihm jedoch die Auseinandersetzung mit Carlo, dem Bruder Leonoras, der ihn bis hinter Klostermauern verfolgt hat, um Rache an ihm zu üben. Simone Piazzola singt ihn mit geschmeidigem, kraftvollem Bariton. Guardiano, der diesem Kloster vorsteht, ist identisch mit dem Marchese di Calatrava, der Vater Leonoras ist also eins mit dem Padre, bei dem sie Zuflucht sucht. Vitalij Kowaljow singt beide Partien glanzvoll. Kusej will mit dieser Doppelbesetzung zeigen, dass Leonoras Flucht ins Kloster kein Weg in die spirituelle Freiheit ist. Vielmehr tauscht sie nur eine respressive Struktur, ihre Familie also, gegen eine andere, im Kern aber genauso repressive Struktur ein. Dafür spricht auch der lange Tisch, der während des ganzen langen Abends auf der bräunlich-miefigen Bühne stehen bleibt und an dem gleich zu Beginn Leonora mit ihrer Familie sitzt, isst, betet und schweigt. Doch die Leonora der Anja Harteros ist nicht nur ein schwächliches Opfer brutaler Strukturen. Anja Harteros verleiht dieser Figur zwar anrührend zarte, aber auch kraftvolle Züge. Vor allem aber singt sie diese Partie mit einem herrlich leuchtenden, in den Höhen intensiven, immer kontrollierten und farbenreichen Sopran. Die Beziehungen zwischen den Figuren und die Figuren selbst scheinen den Regisseur aber gar nicht so sehr interessiert zu haben: Die Sänger wirken über lange Passagen weitgehend sich selbst überlassen. Mehr hat den Regisseur die Kriegsszenerie des 3. Akts interessiert, die er im eindrucksvoll-hässlichen Bühnenraum Martin Zehetgrubers (er bietet die Draufsicht auf ein zerbombtes Gebäude) gegen die fröhlich-jubelnde Musik Verdis inszeniert. Und nun passt Asher Fischs donnernde Lesart der Partitur denn auch einmal ganz gut, wirkt sie hier doch beinahe wie eine absichtsvolle Karikatur.

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