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Livekritik zu

Der Nussknacker

26.12.2013 - 09.02.2014 | München / Nationaltheater München
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cgohlke
am 15.12.2018

Alle Jahre wieder

John Neumeiers „Nussknacker“ an der Bayerischen Staatsoper

Zum 153. Mal stand John Neumeiers „Nussknacker“ am Freitag, dem 14. Dezember, auf dem Spielplan des Bayerischen Staatsballetts, doch zum ersten Mal wurde dieser Repertoire-Klassiker unter der Leitung von Igor Zelensky gezeigt, der die Intendanz vor zwei Jahren von Ivan Liska übernommen hat.

Die Produktion in der detailreichen und prachtvollen Ausstattung von Jürgen Rose ist immer wieder sehenswert, und es wurde schnell klar, dass für diese Wiederaufnahme intensiv geprobt worden ist. Das Corps de ballet zeigte sich am Freitag erfreulich präzise. Maries Geburtstagsfeier mit dem akkuraten Tanz der Kadetten und den vielen humorvollen Details war ein Fest für die Sinne. Nur hätte man sich diesen Part vielleicht insgesamt noch spielerischer und leichtgängier gewünscht. Mitunter wirkte die Szenerie fast ein wenig zu beherrscht – so als hätten die Tänzer Angst, technische Fehler zu machen.

Als Glücksfall darf man die Besetzung der beiden tragenden Rollen bezeichnen. Nancy Osbaldeston ist – schon aufgrund ihrer zierlichen Gestalt – eine glaubhaft kindliche Marie, die staunend die Welt entdeckt und sich in Neumeiers Version in die Rolle einer Prima ballerina hineinträumt. Geführt wird sie dabei von Ballettmeister Drosselmeier. Jonah Cook, tänzerisch und darstellerisch in großer Form, gibt ihn wunderbar geckenhaft und eitel. Er führt Marie in ihre Traumwelt, und es ist einer der großen Momente des Abends, wenn die Geburtstagsfeier zu Ende geht, Marie sich nächtens zurück ins Wohnzimmer schleicht, um dort die Tanzschuhe anzuprobieren, die Drosselmeier ihr mitgebracht hat, woraufhin die ganze Szene sich verwandelt und die gutbürgerlich-schwere Ausstattung dem zarten Weiß eines Ballettsaales Platz macht. Die Musik Tschaikowskys, vom Bayerischen Staatsorchester unter der Leitung von Robertas Servenikas stimmungsvoll gespielt, erreicht hier ihren seelischen Höhepunkt, alle Schranken und Hemmnisse, alle Grenzen der Wirklichkeit fallen ab, und Marie befindet sich mit dem Zuschauer in einer gleichsam idealen Welt. Im Dritten Bild wohnt sie mit Drosselmeier einer Vorstellung bei, und Neumeier reiht dabei eine tänzerische Perle an die nächste. Besonders schön glückte in München der Gand Pas de deux zwischenLouise und Günther, wobei Emilio Pavan an der Seite von Prisca Zeisel sich durch geschmeidige, butterweiche Bewegungsabläufe auszeichnete. Schwung und gute Laune brachten die „Variation des hommes“ oder auch die „tanzenden Leutnants“. Nach dem Reigen dieser tänzerischen Kleinodien schließt Neumeier gekonnt den Rahmen. Der Theatersaal verwandelt sich wieder ins bürgerlische Wohnzimmer, in dessen Mitte Marie liegt und aus ihrem Tanz-Traum erwacht. Nächstes Jahr wird sie wieder träumen. Und wir werden wieder mit großen Augen dabei sein.

München, am 14. Dezember 2018

Alle Jahre wieder

John Neumeiers „Nussknacker“ an der Bayerischen Staatsoper

Zum 153. Mal stand John Neumeiers „Nussknacker“ am Freitag, dem 14. Dezember, auf dem Spielplan des Bayerischen Staatsballetts, doch zum ersten Mal wurde dieser Repertoire-Klassiker unter der Leitung von Igor Zelensky gezeigt, der die Intendanz vor zwei Jahren von Ivan Liska übernommen hat.

Die Produktion in der detailreichen und prachtvollen Ausstattung von Jürgen Rose ist immer wieder sehenswert, und es wurde schnell klar, dass für diese Wiederaufnahme intensiv geprobt worden ist. Das Corps de ballet zeigte sich am Freitag erfreulich präzise. Maries Geburtstagsfeier mit dem akkuraten Tanz der Kadetten und den vielen humorvollen Details war ein Fest für die Sinne. Nur hätte man sich diesen Part vielleicht insgesamt noch spielerischer und leichtgängier gewünscht. Mitunter wirkte die Szenerie fast ein wenig zu beherrscht – so als hätten die Tänzer Angst, technische Fehler zu machen.

Als Glücksfall darf man die Besetzung der beiden tragenden Rollen bezeichnen. Nancy Osbaldeston ist – schon aufgrund ihrer zierlichen Gestalt – eine glaubhaft kindliche Marie, die staunend die Welt entdeckt und sich in Neumeiers Version in die Rolle einer Prima ballerina hineinträumt. Geführt wird sie dabei von Ballettmeister Drosselmeier. Jonah Cook, tänzerisch und darstellerisch in großer Form, gibt ihn wunderbar geckenhaft und eitel. Er führt Marie in ihre Traumwelt, und es ist einer der großen Momente des Abends, wenn die Geburtstagsfeier zu Ende geht, Marie sich nächtens zurück ins Wohnzimmer schleicht, um dort die Tanzschuhe anzuprobieren, die Drosselmeier ihr mitgebracht hat, woraufhin die ganze Szene sich verwandelt und die gutbürgerlich-schwere Ausstattung dem zarten Weiß eines Ballettsaales Platz macht. Die Musik Tschaikowskys, vom Bayerischen Staatsorchester unter der Leitung von Robertas Servenikas stimmungsvoll gespielt, erreicht hier ihren seelischen Höhepunkt, alle Schranken und Hemmnisse, alle Grenzen der Wirklichkeit fallen ab, und Marie befindet sich mit dem Zuschauer in einer gleichsam idealen Welt. Im Dritten Bild wohnt sie mit Drosselmeier einer Vorstellung bei, und Neumeier reiht dabei eine tänzerische Perle an die nächste. Besonders schön glückte in München der Gand Pas de deux zwischenLouise und Günther, wobei Emilio Pavan an der Seite von Prisca Zeisel sich durch geschmeidige, butterweiche Bewegungsabläufe auszeichnete. Schwung und gute Laune brachten die „Variation des hommes“ oder auch die „tanzenden Leutnants“. Nach dem Reigen dieser tänzerischen Kleinodien schließt Neumeier gekonnt den Rahmen. Der Theatersaal verwandelt sich wieder ins bürgerlische Wohnzimmer, in dessen Mitte Marie liegt und aus ihrem Tanz-Traum erwacht. Nächstes Jahr wird sie wieder träumen. Und wir werden wieder mit großen Augen dabei sein.

München, am 14. Dezember 2018

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