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Livekritik zu

Der Widerspenstigen Zähmung

02.10.2012 - 26.02.2015 | München [ Altstadt/Lehel ] / Residenztheater
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cgohlke
am 16.10.2017

Auf ein Neues

Die zweite Spielzeit des Bayerischen Staatsballetts unter Igor Zelensky eröffnet mit zwei Klassikern

Seit einem Jahr ist Igor Zelensky als Nachfolger Ivan Liskas Intendant beim Bayerischen Staatsballett. Nach einer turbulenten und nicht unumstrittenen Anfangszeit haben sich die Wogen geglättet. Die Vorstellungen, die das Staatsballett in seinem Stammhaus, dem Münchner Nationaltheater, tanzt, sind gut besucht, wenn nicht ausverkauft.

Eröffnet wurde Zelenskys zweite Saison nun mit zwei Wiederaufnahmen. Nach vielen Jahren ist John Crankos klassisch gewordenes Handlungsballett „Der Widerspenstigen Zähmung“ zurück auf dem Spielplan. Außerdem wurde die im letzten Herbst von Peter Wright neu einstudierte Fassung der „Giselle“ wiederaufgenommen.

Besonders war diese Spielzeiteröffnung vor allem, weil in beiden Produktionen als Gastsolisten Sergei Polunin und Natalia Osipova zu erleben waren.

In Crankos Ballett, das 1969 in Stuttgart uraufgeführ wurde und in München seit 1976 fast 130 Mal zu sehen war, gab Polunin sein Rollendebut als Petrucchio. Der Part des rauen Lebemannes, der mit nicht so ganz gender-korrekten Methoden die kratzbürstige Katharina zähmt, liegt dem russischen Startänzer hervorragend. Sein Temperament kann sich in dieser nach wie vor witzigen und kurzweiligen Choreographie in kraftvollen Srüngen und kraftzehrenden Hebefiguren entfalten, die das Publikum zurecht begeisterten. Dass es sich hier um ein Rollendebut handelte, war allenfalls daran zu bemerken, dass in den Pas de deux mit Natalia Osipova eine letzte Geschmeidigkeit noch zu vermissen war. Sie wird sich einstellen mit der Zeit. Osipova brillierte als Katharina nicht nur mit technischer Perfektion, sondern fast mehr noch durch darstellerische Glaubwürdigkeit. Offensichtlich hat sie Spaß an dieser Rolle. Mit Lust spielt und tanzt sie den Part des wilden und aggressiven Mädchens, das um sich schlägt, kratzt und faucht und damit alle in die Flucht schlägt, nur eben nicht Petrucchio. Ein gut besetzter lyrischer Widerpart stellten Jonah Cook, der inzwischen zum Ersten Solisten avanciert ist, und Elizaveta Kruteleva als Lucentio und Bianca dar. Weich und fließend in den Bewegungen verkörperten sie das romantische Paar, das dem wilden Zwiegespann von Petrucchio und Katharina entgegensteht. Javier Amo und Tigran Makayelyan, zwei altgediente Solisten des Hauses, gewannen den Rollen der beiden anderen Freier Biancas komödiantische Züge ab.

Wer das Glück hatte, in diesen Tagen nicht nur „Der Widerspenstigen Zähmung“, sondern auch „Giselle“ zu sehen, der konnte die staunenswerte Wandlungsfähigkeit dieser Tänzer bewundern. Allen voran ist hier das Gastsolistenpaar zu nennen und ganz besonders Natlia Osipova hervorzuheben. So glaubhaft sie die widerspenstige Katharina gab, so glaubhaft war sie auch als arglose und zerbrechliche Giselle. Auch hier ging ihre Darstellung über die reine technische Exekution einer Partie weit hinaus. Insgesamt wirkte die Aufführung der „Giselle“ freier als noch im letzten Herbst. Da ist es verschmerzbar, dass diese neue Frische und Freiheit mitunter auch auf Kosten der Genauigkeit ging. Nicht immer gelang der Pas de six im ersten Akt in vollkommenem Gleichmaß, und nicht immer waren die Wilis im zweiten Akt so ganz symmetrisch. Dennoch: Gegenüber einer etwas steif und leblos anmutenden „Gielle“ 2017 geriet diese Aufführung lebendig. Auch Sergei Polunin als wiederum äußerst kraftvoller Herzog Albrecht trug dazu entschieden bei. Zwei Ballett-Abende also, die Lust machen auf die neue Saison. Ein weiterer Höhepunkt ist am 19. November zu erwarten. Dann feiert Christian Spucks „Anna Karenina“ Premiere. Man ist froher Erwartung.

München, Anfang Oktober 2017

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Vielversprechener Start in die neue Saison

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Natalia Osipova und Sergei Polunin in München. (c) W. Hösl
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