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Livekritik zu

Così fan tutte

17.06.2012 - 24.11.2015 | München
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cgohlke
am 01.10.2017

Cosi fan tutte

Mozarts bittere Komödie in Dieter Dorns Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper

 

Kurz nach den Gastspielen der Bayerischen Staatsoper in Japan – gezeigt wurde Romeo Castelluccis „Tannhäuser“ und August Everdings „Zauberflöte“ – eröffnete das Nationaltheater im heimischen München die neue Spielzeit mit Mozarts „Cosi fan tutte“ in der Inszenierung von Dieter Dorn aus dem Jahr 1993.

Nach wie vor überzeugt Dorns psychologisch feinfühlige Arbeit. Er zeichnet die Figuren mit Sympathie und Mitleid, wobei die unterschiedlichen Wahrheitsgrade ihrer Gefühlsäußerungen fein ausgelotet werden. Das gilt natürlich vor allem für die komplexen Frauenfiguren dieser Oper. Die berühmte Felsenarie („come scoglio“) der Fiordiligi zum Beispiel, deren technischen Schwierigkeiten Annett Fritsch souverän gewachsen war, stellt Dorn als eine Art von Selbstüberredung dar: Wieder und wieder setzt Fiordiligi an, den beiden fremden Männern die eigene Treue und Standfestigkeit zu erläutern. Dabei assistiert Dorabella, indem sie die Worte der Schwester pantomimisch übersetzt, weil die „Türken oder Wallachen“, die in ihr Haus eingedrungen sind, offenbar nicht verstehen wollen, was ihnen mit so viel Inbrunst gesagt wird. Angela Brower gibt mit Charme und sehr wohllautendem Mezzo recht glaubhaft das lebenslustigere der beiden Mädchen, die Dorabella Ihre Arie zum Preis Amors („E amore un ladroncello“) hat die nötige spielerische Leichtigkeit. Aber auch die Intensität im Duett mit Guglielmo, in dem vom Vesuv in ihrer Brust die Rede ist, kann sie glaubhaft zum Ausdruck bringen („Il core vi dono“). John Chest ist ihr dabei mit geschmeidigem Bariton ein solider Partner. Paolo Fanale tut sich hingegen mit der Rolle des Ferrando schwerer. Seinem Tenor fehlt die leichte und mühelose Höhe und klingt manchmal angestrengt und eng. Hyesang Park als Despina überzeugte mit ihrem ganz klaren Sopran musikalisch, wirkte szenisch aber etwas unsicher – vielleicht weil die Probenzeit zu knapp bemessen war. Dass Pietro Spagnoli als solider Don Alfonso mitunter rhythmische Schwierigkeiten hatte, mag auch am Dirigat von Constantin Trinks liegen, von dem man sich insgesamt mehr Geschmeidigkeit und Spielfreunde, pulsierendere Rhythmik und fließendere Übergänge gewünscht hätte. Eine insgesamt überzeugende Ensembleleistung in einer stimmigen und von Jürgen Rose überaus ansprechend ausgestatteten Inszenierung.

München, am 29. September 2017

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Solider Saisonauftakt

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Cosi fan tutte, Bayerische Staatsoper 2017, (c) W. Hösl
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