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Livekritik zu

Oberon, König der Elfen

21.07.2017 - 30.07.2017 | München [ Bogenhausen ]
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cgohlke
am 24.07.2017

Kasperltheater

Carl Maria von Webers „Oberon“ langweilt bei den Münchner Opernfestspielen

 

„Treue Liebe dauert lange, / Überlebet manche Stund‘, / Und kein Zweifel macht ihr bange, / Immer bleibt ihr Mut gesund.“ Dieser Vers aus dem letzten Lied von Johannes Brahms‘ „Die schöne Magelone“ bildet gewissermaßen die Essenz von Carl Maria von Webers romantischer Feen- und Märchenoper „Oberon, König der Elfen“, die kurz vor dem Tod des Komponisten 1826 in London uraufgeführt wurde und seither nur selten einmal gespielt wird. Das ist kein Wunder, denn die Geschichte ist alles andere als leicht zu inszenieren. Oberon will seiner Gattin Titania beweisen, dass es wahre Liebe unter den Menschen gibt. Dies demonstriert er der herben Elfenkönigin anhand eines Liebespaares, das nach allen Regeln der ritterlichen Romankunst Trennung und Versuchung mutig und tapfer übersteht, um am Ende glücklich wiedervereint zu werden. Das Handlungsmuster ist alt und findet sich bei Wieland, auf den letztlich Webers Oberon-Geschichte zurückgeht, ebenso wie bei Tieck, der von der schönen Magelone erzählt hat.

Die Inszenierung von Nikolaus Habjan, die jetzt im Prinzregententheater in München Premiere hatte, gibt das Stück von Anfang an der Lächerlichkeit preis. Die Abenteuerreise, in die Hüon und Rezia geraten, ist von Oberon inszeniert. Sie beginnt in einem Labor im Stile der 1950er Jahre (Bühne und Kostüme: Jakob Brosmann, Denise Heschl). Dort wird zwei Probanden-Paare aus dem Zuschauerraum heraus in ihre Rollen als hohes und niederes Paar hineingezwungen und auf Irrfahrt geschickt. Der Weg führt nach einem entsetzlichen Ungewitter in den Orient, wo Rezia den Avancen des Herrschers widersteht. Habjan überzeichnet die Gefühle der Beteiligten parodistisch. Hier ist alles nur Spiel und Klamauk, der umso öder wird, je länger der allzu lange Opernabend dauert.

Dass die Aufführung so wenig befriedigte, lag auch an der Musik, die man zu hören bekam. Ivor Bolton ließ das Bayerische Staatsorchester mit Härte und Schärfe agieren. Es fehlte jeder romantische Schmelz. Spröde und fast ohne Vibrato klangen die Streicher, harsch und herb die Bläser, hart und erbarmungslos die Pauke. Kurzum: Bolton dirigiert Webers romantische Partutur, als handle es sich um eine Barockoper. Auch die Besetzung war insgesamt enttäuschend. Weder Annette Dasch noch Brenden Gunell waren so recht in der Lage, den schwierigen Partien der Rezia und des Hüon gesanglich gerecht zu werden. Klang Gunell oft angestrengt und brüchig, so fehlte dem Sopran Annette Daschs Farbigkeit und letzte dramatische Wucht. Besser waren die Partien des niederen Paaren mit Johannes Kammler als Scherasmin und Rachael Wilson als Fatime mit weichem und rundem Sopran besetzt. Julian Prégardien konnte als Oberon mit seinem sicher geführten und nuancenreichen Tenor überzeugen. Für eine Festspielpremiere war das aber doch zu wenig.

Am meisten Applaus erhielten darum die in der Tat brillanten Puppenspieler, die als Oberons Gehilfen Puck auftraten und die Handlung in Gang hielten. Manuela Linshalm, Daniel Frantisek Kamen und Sebastian Mock agierten mit ihren großen, ausdrucksstarken Puppen gekonnt und präzise. Das konnte den trägen Abend freilich nicht retten. Schon lange wurde keine Münchner Premiere so matt aufgenommen wie dieser „Oberon“.

München, am 21. Juli 2017

 

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Titel: 
Oberon, König der Elfen
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Ort: 
München, Staatsoper
Zeitraum: 
Juli 2017

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