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Livekritik zu

NUREJEW GALA 2016

26.06.2016 | Wien / Wiener Staatsoper
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cgohlke
am 05.07.2017

Glanzvolles Spielzeitende

Die Nurejew-Gala an der Wiener Staatsoper begeistert das Publikum

Seitdem Manuel Legris die Leitung des Wiener Staatsballettes inne hat, wird das Ende der Spielzeit in jedem Jahr mit einer großen Gala begangen. Sie ist Rudolf Nurejew gewidmet, unter dessen Direktion Manuel Legris 1986 zum Danseur Etoile am Ballett der Pariser Oper ernannt wurde. Heuer fand die Nurejew-Gala bereits zum siebten Mal statt. Es ist also fast schon eine Wiener Tradition, den Abschluss der Saison auf diese besondere Weise zu feiern. Es war auch in diesem Jahr ein glanzvolles Ende der Saison. Betrüblich nur, dass Davide Dato sich in „Stars und Stripes“ auf offener Bühne verletzte. Der Vorhang musste geschlossen werden, und der Auszug aus „Peer Gynt“, der später noch hätte gezeigt werden sollen, entfiel.

Das Programm war trotz dieser Einbuße bunt und abwechslungsreich, dabei weniger auf Harmonie oder inhaltliche Stimmigkeit bedacht als vielmehr auf Kontrast. Natürlich überzeugen bei einem Abend, der vier Stunden lang dauert, nicht alle Beiträge gleichermaßen, und natürlich glückt an einem solchen Abend nicht alles makellos. Beeindruckend und kurzweilig war diese Leistungsschau aber zweifellos.

Am vergleichsweise geringsten beeindruckten die Ausschnitte aus den Balletten, die vom Namensgeber der Gala choreographiert worden sind. Bei der Eröffnung mit „Dornröschen“ funkelten die Diamanten (Adele Fiocchi und Dumitru Taran) weit stärker als Smaragd, Saphir und Rubin (Laura Nistor, Elena Bottaro und Xi Qu.) In dem Auszug aus der „Bayadère“ beeindruckten Liudmila Konovalova und Vladimir Shklyarov als Nikia und Solor mit studender Technik, wohingegen das Chor de ballet im Schattenakt eine letzte Präzision vermissen ließ. Was die Compagnie zu leisten im Stande ist, zeigte sich im abschließenden Ausschnitt aus Balanchines Symphonie in C weit besser, dessen lebhafter 4. Satz getanzt worden ist.

Die eigentlichen Höhepunkte des Abends waren aber andere: Hans van Manens „Solo“ zu Bachs Partita für Violine, furios getanzt von Masayu Kimoto, der im Anschluss an die Gala zum Ersten Solisten ernannt wurde, Richard Szabó und Géraud Wielick, begeisterten ebenso wie Rebecca Horner mit ihrem archaisch und ekstatisch anmutenden Solo aus John Neumeiers „Le Sacre“. Wie breit Neumeiers choreographische Möglichkeiten sind, zeigte sein „Magnifikat“, das konzentriert und von Nina Tonoli und Jakob Feyferlik dargeboten worde. Feyferlik verfügt nicht nur über technische Bravour (die konnte er später gemeinsam mit Ludmila Pagliero in Balanchines „Tschaikowski-Pas de deux“hinreißend demonstrieren, wobei eine kleine Unsicherheit zum Schluß nichts verschlug), der junge Tänzer verfügt auch über große Anmut, die gerade dem Magnifikat zu Gute kam.

Das ungewöhnlichste und suggestivste Stück des Abends trägt den Titel „Murmuration“ und stammt von Edwaard Liang, das 2013 am Houston Ballet uraufgeführt wurde. Die fallenden Schneeflocken vor schwarzem Hintergrund verleihen dem Stück eine unwiderstehliche Sogwirkung, die von Ezio Bossos Violinkonzert Nr. 1 intensiviert wird. Die fließenden Bewegungen der Compagnie sollen an „beautiful shapes und patterns in the sky“ erinnern, wie im Programmbuch zu lesen ist. Wirklich gemahnen Liangs Choreographie mit ihren Bewegungsmustern und Tempowechseln an naturhafte Vorgänge. Wunderschön anzusehen und exzellent vom Ensemble der Wiener Staatsoper getanzt. Eine Gala, die Lust macht auf die kommende Spielzeit!

Wien, 29. Juni 2017

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Glanzvoller Abschluss

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Medien von cgohlke

Titel: 
Nurejew-Gala 2017
Jacob Feyferlik und Nina Tonoli in John Neumeiers Magnificat
Ort: 
Wien, Staatsoper
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Zeitraum: 
Juni 2017

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