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Livekritik zu

I Capuleti e i Montecchi

16.05.2012 - 24.02.2013 | München / Nationaltheater München
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cgohlke
am 15.06.2014

Dezent

Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“  an der Bayerischen Staatsoper

 

Erstmals seit der Münchner Erstaufführung im Jahre 1834 ist an der Bayerischen Staatsoper seit 2011 wieder Vincenzo Bellinis Oper „I Capuleti e i Montecchi“ zu sehen. Vesselina Kasarova, die bei der Premiere den Romeo hätte singen sollen, hatte damals kurzfristig absagen müssen. Jetzt bei der Wiederaufnahme sollte Elina Garanca in dieser Partie zu hören sein, doch leider musste auch sie ersetzt werden. Silvia Tro Santafé war stattdessen zu hören. Die in Valencia geborene Sängerin, anfangs hörbar nervös, ist dieser Rolle technisch durchaus gewachsen. Aber man hätte sich dennoch eine dunklere, tragendere Stimme gewünscht als die der Frau Santafé, die sehr leicht klingt und zu einem gewissermaßen kurzwelligem Vibrato neigt. Dieser Romeo wirkte doch arg zart. Eine Sängerin mit dunklerem Timbre wäre auch ein besserer Kontrast zu Ekaterina Siurina gewesen, die mit sicher geführtem, klarem, zuweilen herrlich aufblühendem Sopran eine gefühlvolle, ängstliche, ein wenig verstört wirkende Julia gab. Weniger als ein leidenschaftliches Liebespaar wirken Rome und Giulietta in dieser Inszenierung als vielmehr wie zwei verirrte Kinder, die am Ende händchenhaltend in den Tod gehen, der allerdings nur dezent angedeutet ist. Dezenz ist insgesamt ein Kennzeichen dieser Produktion, die ganz in französischen Händen lag: Vincent Boussard (Regie) und Vincent Lemaire (Bühne) erzählen die Geschichte vom unsternbedrohten Paar nicht naturalistisch. Boussard reduziert die Bewegungen der Sänger und des Chores auf ein Mindestmaß, weshalb die gesamte Aufführung ein wenig statisch wirkt. Spiegelnde Böden und fleckig graue, metallisch schimmernde Wände, bald ein wenig grünlich, bald ein wenig rötlich belechtet, das ist die Welt, in der diese Geschichte sich abspielt. Einzig Couturier Christian Lacroix sorgte mit seinen Kostümen für ein paar kräftige Farbakzente – nicht mit den Gewändern der Protagonisten, die so etwas wie stilisierte Gehröcke mit großen Schleifen um den Hals trugen, sondern mit einem Defilee luxuriös bekleideter Statistinnen. Ob dieser Schaulauf zu Beginn des zweiten Teils dramatischen Sinn ergibt, sei allerdings dahingestellt. Für kräftige Akzente sorgte aber auch Riccardo Frizza am Pult des Bayerischen Staatsorchesters. Wie schon im März bei den „Cenerentola“, so wäre wohl auch jetzt eine weitere Probe nicht verkehrt gewesen. Was an Präzision fehlt, macht Frizza aber durch Farbenreichtum und Stimmung wett. Diese Italianità tat dem Abend ebenso gut wie der metallisch klingende Tenor von Matthew Polenzani, der den Tebaldo sang.

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