Overlay
Livekritik zu

YAS - DIE JUNGFRAU VON ORLEANS

04.04.2016 | Berlin / Schlosspark Theater Berlin
« zurück zur Veranstaltungsseite
august14979
am 18.04.2016
Wir blicken in ein schwach beleuchtetes Wohnzimmer mit mehreren Türen (gut geeignet, um die Mitspielenden flugs wieder von der Bühne verschwinden zu lassen), Schaukelstuhl, Tisch und Stühlen. Der Glaskasten im Hintergrund sieht aus wie eine Apotheke. Abgesehen davon, dass König Karl VII. daraus einmal ein längeres Telefongespräch, erfüllt dieses Requisit keinen besonderen Zweck. (Die Auflösung des Rätsels erfolgte am Dienstag darauf: es handelte sich um die bereits aufgebauten Kulissen für „Einer flog über das Kuckucksnest“).
 
Michelle Krause spielt Johanna, das Mädchen vom Lande, das sich berufen fühlt. Keine besonders dankbare Rolle, denn sie muss lediglich ein paar tragende Sätze rezitieren und sich ansonsten damit begnügen, bedeutungsschwer zu gucken. Maximilian Diehle übernimmt die Rolle des Vaters, der seine Tochter am Ende verflucht. Graf Dunois (Ilker Meric) umturtelt die spröde Johanna, ebenso wie der edle Ritter La Hire (Jewgeni Lubomirski, der auch den Part des Talbot übernimmt und der Johanna lediglich für eine Gauklerin hält). Letzterer spielt bemerkenswert ausdrucksstark. Christian Muangala ist noch zu erwähnen in der Rolle des Herzogs von Burgund und Philipps des Guten. Die Damen spielen hier, wenn man von der Titelfigur absieht, nur unbedeutendere Nebenrollen, z.B. Agnès Sorel, die Mätresse des französischen Königs, die ihre Juwelen für den erhofften Sieg opfert. Wer bleibt? Der König höchstselbst. Daniel Wobetzky spielt Karl VII., und darüber hinaus die grell geschminkte Königin Isabeau. Beide Rollen gelingen ihm großartig. Karl, der Zauderer, der zum Siegen getragen werden muss und sein halbes Reich aufzugeben bereit ist. Wäre da nicht Johanna. Er agiert königlich-zurückhaltend, dann wieder staatstragend. Die Regie (Stefan Kleinert) hat ihm offenbar die „Merkel-Raute“ verordnet, die er wie ein Ehrenzeichen vor sich her trägt. Die Königin Isabeau wird ja schon von Schiller als herbe Frau mit wenig weiblichen Zügen charakterisiert. Da bietet es sich geradezu an, die Rolle mit einem Mann zu besetzen.
 
Nach 70 Minuten stirbt Johanna an ihren Verwundungen, vom eigenen Vater verstoßen, der ihr die „vom Himmel gesandte Retterin Frankreichs“ irgendwie nicht abnehmen will. Und der Zuschauer stellt erstaunt fest, dass der Schillersche Text doch um einiges gekürzt wurde. Macht aber nichts. Die jungen Schauspieler machen ihre Sache gut und besser. Schön, dass jetzt Hallervorden dem Schauspielernachwuchs eine Chance gibt und seine Bühne dafür zur Verfügung stellt. Nach den Anfängen im kleinen Theater im Palais haben sie nun ein größeres Forum, um sich präsentieren zu können. Hoffentlich nehmen immer mehr Theaterinteressierte davon Kenntnis und lassen künftig den Zuschauersaal nicht so leer erscheinen. Weitersagen: An einigen Sonntagen zur Matineezeit gibt’s Klassiker von den Stars von morgen für kleines Geld.

Besucherfazit

Eine von engagierten Jungdarstellern wiederbelebte Johanna

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
7 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Mel Kep
  • Frollainwunder
  • Kerstin Al-Najar
  • Elena Artemenko
  • AnneW
  • Monique Siegert
  • Tanja Piel
  • august14979
  • nikolausstein
  • Erzählung
  • Katharina Hö
  • Wilhelmine Molt
  • Odile Swan
  • Frank Varoquier
  • Holger Kurtz
  • Esther Barth
  • Wolfgang Albrecht
  • Rolf Schumann
  • CHAMÄLEON Theater GmbH
  • Susanne Elze
  • Stefan M. Weber

Für Freikarten und Kulturtipps

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!