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Livekritik zu

Eine Frau, die weiß, was sie will!

13.05.2012 - 31.03.2019 | Berlin / Komische Oper Berlin
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august14979
am 25.03.2014

Stefan Herheims Inszenierung ist etwas für Vergnügungssüchtige. Die Konservativen unter den Barock-Aposteln werden ob diverser Gags, mit denen Herheim seinen "Xerxes" aufgemotzt hat, sich entrüstet abwenden. Das Publikum allerdings ist ob der Ausstattung, Kostüme und kurioser Einfälle einfach nur begeistert und lässt am Ende das Ensemble hochleben.

Wir werden Zeugen einer Regiearbeit, bei dem uns Komparsen in wolligen Schafskostümen tänzerisch begleiten. Hagen Matzeit als Diener Elviro bietet in putziger Verkleidung „Blumen aus eijenem Jarten“ an und präsentiert seine Rezitative vorwiegend im Berliner Dialekt. Dabei wechselt er scheinbar mühelos vom Bariton zum Countertenor. Zwecks Entlarvung des notgeilen Königs werden schon mal, während Xerxes „Fühl ich die Gluten des Herzens“ singt, im Hintergrund die Leuchtstoffröhren-Großbuchstaben seines Namens zu SEX REX umgestellt. Stella Doufexis meistert übrigens die Partie des Monarchen großartig. Wenn die gezündete kleine Kanone nicht nur Getöseund Qualm erzeugt, sondern auch noch (anscheinend) ein Loch in den Kulissenaufbau reißt, gibt’s natürlich Zuschauergelächter. Herrlich, wie Xerxes Kriegsflotte im Sturmgebraus unterzugehen droht. Und Nixen, Neptun und andere Wassergeister in irrer Kostümierung aus den Wogen im Chor singend auftauchen. Dieser "Xerxes" ist über alle Maßen einfallsreich auf die Bühne gebracht, und nur gegen Ende "zieht sich's" ein wenig, da der Opernfan nun endlich den glücklichen Schluss dieser Geschichte um einen liebestollen König herbeisehnt.

Das Orchester spielt, als wäre das Intonieren von Barockklängen schon seit jeher sein Metier. Konrad Junghänel hat die Sache im Griff und motiviert seine Damen und Herren im etwas angehobenen Orchestergraben mit weit ausholenden Armbewegungen. Als eine „barocke Muppet-Show“ hat Stefan Herheim Händels Xerxes bezeichnet. In der Tat, genau so hat er es uns Händels Oper präsentiert. Sauertöpfische Minen enttäuschter Jünger des Barock habe ich an diesem Abend nicht gesehen. Nur enthusiastisch Applaudierende. Aber schließlich hat Händel selbst, wenn mich meine Kenntniss nicht trügen, seinerzeit das Sujet Oper nicht so bierernst genommen und zu scherzhaften Inszenierungs-Schlenkern gegriffen.

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Eine Inszenierung, die gute Laune erzeugt

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