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Livekritik zu

"Weiche Schädel und Schädelharfe": Salvador Dalí (1904-1989)

29.07.2014 - 19.10.2014 | Frankfurt (Oder) / Museum Junge Kunst - Rathaushalle/Festsaal
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august14979
am 01.08.2014

„Der einzige Unterschied zu einem Verrückten und mir ist der, dass ich nicht verrückt bin.“ (Zitat Salvador Dalí). Nun, verrückt war er mit Sicherheit nicht. Er war jemand, dem seine Einmaligkeit recht früh bewusst war und der sich als ein ausgezeichneter Vermarkter seiner Schöpfungen erwies. Im Museum Junge Kunst in Frankfurt/Oder ist ein Teil seines Werkes derzeit zu bestaunen: Aquarelle, Zeichnungen, Grafiken etc. und vor allem bildhaft Umgesetztes aus der Weltliteratur. Dalí war so etwas wie ein Universalgenie, denn er hat in fast allen Sparten der Bildenden Kunst Spuren hinterlassen. Der Welt bekanntester Surrealist hat eine solche Vielzahl von Werken geschaffen, dass sich einem unvermittelt der Eindruck aufdrängt, dieser Mann müsse Tag und Nacht gearbeitet haben.

Das kleine Museum in Frankfurt/Oder zeigt nun bis zum 19. Oktober rund 300 seiner Werke aus einer Privatsammlung. Neben Werken, die die griechische Mythologie oder religiöse Motive und Erzählungen zum Thema haben, sind besonders seine Literaturinterpretationen hervorzuheben. Dantes „Göttliche Komödie“ oder Cervantes „Don Quijote“, Boccaccios „Dekameron“, Bizets „Carmen“ oder Carrolls „Alice im Wunderland“ – Dalí entwickelt in seinen Illustrationen mit seiner paranoia-kritischen Methodik sich an das literarische Werk anlehnende faszinierende Scheinwelten. Wer sich auf Dalís Sichtweise einlässt, vermag immer neue Phantasie-Facetten in seinen Werken zu entdecken.

Die Sammlung bietet wirklich eine Fülle interessanter Exponate, die nach einem anstrengenden Eröffnungsabend mit zahlreichen Lobreden auf die Kuratorin und einer der Herkunft Dalís entsprechenden konzertanten Untermalung kaum in ihrer Komplexität erfasst werden können. Die thematische Zusammenfassung der Werke ist schlüssig, allerdings sind mir einige Stellwände zu dicht bestückt. Z.B. braucht der Besucher schon einen Feldstecher, um bei 21 in drei Reihen übereinander aufgehängter Zeichnungen in den ganz oben hängenden noch Details erkennen zu können. Sicher sind die Räumlichkeiten des alten Rathausgebäudes ein wenig beengt, aber zwei oder drei Stellwände mehr wären vielleicht möglich gewesen.

Schon am Eröffnungstag war der Besucherandrang beeindruckend, und die Frankfurter Kunstinteressierten wurden wahrlich nicht enttäuscht. Dieser Dalí-Exkurs lässt eine Fahrt zur östlichen Landesgrenze als überaus lohnend erscheinen.

Und noch ein Tipp: Erwerben Sie unbedingt einen Ausstellungskatalog. Die 5 € sind eine ausgezeichnete Geldanlage, denn er bietet eine Unmenge interessanter Informationen sowie Illustrationen mit erklärenden Anmerkungen, die überwiegend aus der Feder der Kuratorin Prof. Dr. Rieger-Jähner stammen.

Besucherfazit

Dalí in Frankfurt: ein überaus lohnender Ausflug in den Oderbruch

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