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Livekritik zu

Macbeth

08.02.2013 - 29.04.2013 | Berlin [ Mitte ] / Maxim Gorki Theater Berlin
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august14979
am 01.09.2013

Ein machtgeiler Adliger, der scharf darauf ist, den schottischen König vom Thron zu schubsen, später von seiner Lady zum Morden "getragen" werden muss, weil ihn der Mut verlässt, sich aber am Ende nur kurze Zeit seines Thronraubes erfreuen kann, weil er seinen Kopf verliert - ein Shakespearsches Königsdrama par excellence! Was macht nun ein Robert Borgmann daraus?

Er greift alle möglichhen aktuellen zeigenössischen Inszenierungs-Schnapsideen auf und macht daraus "was eigenes". Vermutlich mit Hilfe der Nähmaschine, die in diesem abstrusen Stück auch eine Rolle spielt. Und wenn ihm nichts mehr einfällt, hüllt er die Bühne in dichten Diskonebel. Als die sichtlich erschöpften Zuschauer die Pause glücklich erreicht haben, kommt dem einen oder anderen Sinn, dass sich ja noch kein Darsteller seiner Kleider entledigt hat. Keine Sorge, der Nackte folgt im zweiten Teil, nämlich Marek Harloff als Geist des gemeuchelten Banquo. Das engagierte Ensemble müht sich redlich und ist gehalten, zu kreischen, zu brüllen, sich ohne sichtlichen Grund auf den Boden zu werfen oder ziemlich geistlos über die Bühne zu tänzeln. Einzig Anne Müller als Lady Macbeth darf sich relativ normal bewegen. Albrecht Abraham Schuch in der Rolle des Macbeth muss sich hingegen als armer Irrer produzieren, degeneriert zusehends zum Grimassenschneider und Pausenclown. Jemand stülpt sich einen Grammophontrichter über den Schädel, zieht eine Stehlampe hinter sich her und hält sich für Don Quichote. Am Ende des Stückes findet sich Lady Macbeth in einer Kunststoffblase wieder. Ja, geht's noch?

Am Ende weiß keiner, worum es hier eigentlich geht, aber das ist aus Sicht Borgmanns sicherlich unwichtig. Nur dann, wenn keiner etwas verstanden hat, wird es aus seiner Sicht ein erfolgreicher Abend gewesen sein. Nichts gegen Unsinn - der kann sehr komisch sein. Aber alles gegen Unsinn, der sich das Mäntelchen des Anspruchs umhängt.

Nach Ende eines sinnfreien Bühnenspektakels hat man, wie ein Blick auf die Uhr zeigt, über zwei Stunden wertvolle Zeit vertan. Robert Borgmann müsste wegen groben Unfugs belangt werden. Das ist zwar kein Straftatbestand, aber meines Wissens zumindest eine Ordnungswidrigkeit.

 

 

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Shakespeare - in den Sand gesetzt!

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