Overlay
Livekritik zu

Helmut Schleich: Ehrlich

29.04.2017 - 30.04.2017 | Berlin [ Tempelhof ] / ufaFabrik
« zurück zur Veranstaltungsseite
august14979
am 01.05.2017

Es beginnt mit der „Bestie von Dodlbach“ – und der Abend endet auch mit ihr. Mit treuem Augenaufschlag erzählt der in der JVA Einsitzende, wie er nicht nur sämtliche Verwandte, sondern auch den Apotheker, den Bürgermeister, den Bierfahrer und andere erschossen hat. Nur so. Die waren halt zur falschen Zeit am falschen Ort und haben das Falsche gesagt.

Eine andere Kunstfigur ist „Heinrich von Horchen“. Mit Zylinder, Schal, Stöckchen und schlecht sitzendem Gebiss schwadroniert der mehusalemische Heesters-Doppelgänger über die Tagespolitik – und anderes. Werden wir abgehört? Natürlich werden wir. Schließlich ist das eine alte Geheimdienstpraktik, die schon bei den alten Pharaonen… obwohl, schwierig! Da musste ja das Abgehörte an Ort und Stelle in Stein gemeißelt werden. Wer kann schon ebenso heimlich wie lautlos meißeln?

Nach der Pause hat – sozusagen posthum – Franz Josef Strauß die Gelegenheit, mit seiner Partei und seinen Nachfolgern im Amt gnadenlos abzurechnen. Da wird Stoiber zum „sprechenden Aktendeckel“. Und für Andreas Scheuer genügt es nicht, keine Meinung zu haben, man muss sie auch nicht aussprechen können. Wer soll denn auch mit der Merkel in Berlin Achterbahn fahren, wenn Seehofer in seinem Keller mit der Eisenbahn spielt? Ja, sagt Franz Josef, ich habe mir vieles vom Munde abgespart – wenn auch nicht von meinem eigenen.

Er lästert über Angela, die wir nicht mehr loswerden („Wenn die einmal pappt, dann pappt die!“) oder über den jüngst verstorbenen Helmut Schmidt, das mentholgeräucherte Orakel aus Hamburg. Über „Flinten-Uschi“ von der Leyen, die im Bad zwecks Halts ihrer Frisur mehr FCKW verbraucht, als Amerika und Russland zusammen. Über die Grünen (zwischen Bio-Tonne und Eigentumswohnung) und Martin Schulz (verspricht nichts, und das wird er auch halten). Zwischendurch schlüpft er noch in die Rolle des „ehrlichen“ Investmentbankers.

Kurzum, das Publikum hat bei Helmut Schleich kaum Zeit, durchzuschnaufen, denn es möchte ja keine der ätzenden Pointen verpassen. Gallig und bitterböse kann dieses bayerische Urgestein sein. Und bereitet dem in unserer Zeit vom politisch-literarischen Kabarett wahrlich nicht Verwöhnten einen lehrreich-vergnüglichen Abend. "Da kann man nicht Meckern" - mit diesem Schlussstatement hat Helmut Schleich absolut recht.

 

Besucherfazit

Bissiges aus der Weißwurstzone

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
0 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Daniel Anderson
  • Johannes Jiang
  • Frollain Wunder
  • Marylennyfee Schmidt
  • Meerfreude
  • Napp Flaska
  • Wilhelmine Molt
  • Odile Swan
  • Katharina Hö
  • Zelli
  • Nicole Haarhoff
  • sil_95
  • Hundert11 - Konzertgänger in Berlin
  • Cristóbal Marrero-Winkens
  • MandyleinNH
  • Iris Fitzner
  • Elena Artemenko
  • Ina Finchen
  • Elisaveta K. Yordanova
  • Ulf Valentin
  • Stefan Bock

Für Freikarten und Kulturtipps

Andere Besucher interessierte auch

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!