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Livekritik zu

Fausts Verdammnis

23.02.2014 - 01.06.2014 | Berlin [ Charlottenburg ] / Deutsche Oper Berlin
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august14979
am 10.03.2014

Berlióz hatte schon immer einen Hang zum Pompösen. Als gäbe es da eine Art Seelenverwandtschaft zu Wagner. Seines Werks „Fausts Verdammnis“ hat man sich bisher vornehmlich konzertant angenommen. Es ist ein zweieinviertelstündliches musikalisches Monster, vom erweiterten Orchester angefangen über viele Chöre bis zu Tanznummern und Balletteinlagen. Die Gesangseinlagen wirken da mitunter wie gelegentliche Einsprengsel.

Klaus Florian Vogt singt mit seiner hellen Tenorstimme den Faust, was rein gefühlsmäßig zu dieser Titelfigur nicht zu passen scheint. Die Sopranistin Clémentine Margaine ist eine herausragende Marguertite. Insbesondere im Duett mit dem Englisch Horn übertragen sich ihre düsteren Vorahnungen auf den Zuhörer in selten erlebter Eindringlichkeit. Samuel Youns singt den Mephisto und nimmt den lebensüberdrüssigen Faust mit auf eine Reise der Zerstreuung. Das alles kann allerdings Fausts Melancholie nicht vertreiben. Erst bei Marguerite (bei Berlióz’: das Gretchen) fängt er Feuer. Und als Marguerite zum Tode verurteilt wird und nur er sie retten kann, willigt er in die Bedingung ein und verpfändet Mephisto seine Seele. Im Ergebnis steigt Gretchen in den Himmel auf, während Faustus im Bühnenboden versinkt. Soweit die Interpretation von Berlióz zu Goethes Klassiker.

Der Drehteller auf der Bühne ist wandelbar: unter der nach oben weisenden Fläche lassen sich flugs Wirtshäuser oder putzige Mädchenkammern herrichten. Der Chor hat hier reichlich zu tun, und er macht seine Sache hervorragend, wie wir es von diesem exzellenten Klangkörper erwarten. Balletttänzer wirbeln über die Bühne, Soldaten marschieren auf, Bauerntänze, Prozessionszüge, Videoprojektionen. Christian Spuck hat als Choreograph kaum etwas ausgelassen. Wenn den gebeutelten Faust zwischenzeitlich wieder der Weltschmerz ergreift, ist der Drehteller öd und leer, um das inhaltlose des Faustschen Dahinvegetierens deutlich zu machen.

Donald Runnicles hat das um einiges erweiterte Orchester gut im Griff. Die Musik erfasst uns wie ein Rausch, Überlagert jedoch nicht das zeitweilig depressive Geschehen auf der Bühne. Erwartungsgemäß brandet nach Verklingen des letzten Akkords Jubel im Zuschauerraum aus. Fausts Verdammnis, inszeniert als Oper, ist machbar, Monsieur Berlióz!

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Ein musikalisch und szenisch überzeugendes Spektakel

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