Overlay
Livekritik zu

FRAU LUNA Operette in zwei Akten

27.10.2016 - 29.01.2017 | Berlin [ Tiergarten ] / TIPI AM KANZLERAMT
« zurück zur Veranstaltungsseite
august14979
am 12.12.2016

„Und ist ein Vers auch noch so schlecht: es güldet das Urheberrecht!“ Das Tipi wagt sich an eine Operetten-Mumie. Und das auch noch mit einem Superaufgebot an Stars, die allesamt schon ihre Auftritte im Tipi oder in der Bar jeder Vernunft hatten – und weiter haben werden. Als da wären Fräulein Schneider, die vermeintliche Bulgarin im Trio der Geschwister Pfister, als die Herrin des Mondes. Dann Tobias Bonn aus dem genannten Ensemble als Mondhaushofmeister Theophil. Unnachahmlich natürlich Ursli Pfister alias Christoph Marti als Witwe Pusebach, Gustav Peter Wöhler im herrlich albernen Kostüm als Prinz Sternschnuppe. Pigor & Eichhorn kalauern sich als Mechaniker Fritz Steppke und Schneider Lämmermeier durch das Stück. Cora Frost gibt die Venus und Max Gertsch den Steuerbeamten Pannecke. Frau Groom übernimmt Ades Zabel, an unserem Abend jedoch der nicht weniger perfekte Fausto Israel. Nicht zu vergessen: Gert Thumser als Mars und „Anna Mateur“ als Lunas Zofe Stella, die sich jüngst das Bein brach, aber trotzdem (mit Rollstuhl) weiter dabei ist. Dazu gehören noch die sehr attraktiven tanzenden Mondelfen und das Ensemble der Berliner Mondharmoniker unter Johannes Roloff. Regisseur Bernd Mottl hat am Text nur wenig aktualisiert, aber natürlich darf dabei die große Klappe im Vergleich zu den mitunter dürftigen Ergebnissen (Flughafen BER, Staatsoper) nicht unerwähnt bleiben.

Paul Linckes Frau Luna ist inhaltlich wie musikalisch ein eher dürftiges Überbleibsel aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, deren prägende Gesänge zu Gassenhauern wurden. Dazu gehört (natürlich) die „Berliner Luft“ oder das von Frau Pusebach intonierte „O Theophil“ oder „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“. Die Handlung ist hochgradig bekloppt, die klamottenhaft angelegten Figuren desgleichen. Kurz zusammengefasst: Steppke bastelt einen Ballon, der ihn, Schneider Lämmermeier, den Steuerbeamten Pannecke und die Witwe und Vermieterin Pusebach zum Mond tragen wird. Dort erwartet sie ein knallbuntes Ensemble durchgeknallter Typen, allen voran die notgeile Frau Luna, die den armen Steppke ins Lotterbett ziehen will. Doch rechtzeitig taucht – wie auch immer – seine Erdenliebe Marie alias Sharon Brauner auf, und er widersteht den lunaesken Liebesattacken.

Die Handlung ist hochgradig bekloppt, die kuriosen Figuren desgleichen. Und doch ist es ein absolut gelungenes Rundum-Vergnügen, Spaß und Stimmung verbreitend. Die Inszenierung klotzt mit aufwendigen Kulissen und tollen Kostümen. Den Berliner Dialekt mussten sich einige wohl intensiv eintrichtern - da hapert es mitunter noch etwas. Macht aber nix. Allen Akteuren scheint das Spiel auf der Bühne einen unbändigen Spaß zu bereiten. Und das überträgt sich aufs Zuschauerparkett. So wird aus einer Operette, die über die Jahrzehnte einiges Moos angesetzt hat, eine schmissige Revue, ein grellbuntes und sehenswertes Spektakel. 

Besucherfazit

Grooooßartig. Hingehen!

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
5 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Annette Finkl
  • Reinhard Zeitz
  • Sarah Mauelshagen
  • Dresdner Kabarett Breschke und Schuch
  • Wilhelmine Molt
  • Holger Kurtz
  • Meerfreude
  • theatermail nrw
  • Julia Schell
  • Juliane Wünsche
  • Elena Artemenko
  • Mel Kep
  • Stefan M. Weber
  • Katja Marquardt
  • Silke Liria Blumbach
  • Sarah Dickel
  • Odile Swan
  • ChrisCross
  • Aberabends
  • Susanne Elze
  • Sus Ann J

Für Freikarten und Kulturtipps

Andere Besucher interessierte auch

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!