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Livekritik zu

Die Meistersinger von Nürnberg

10.06.2012 - 07.07.2012 | Berlin / Komische Oper Berlin
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august14979
am 23.10.2016

Recht spartanisch kommt Andreas Homokis Inszenierung daher: die Häuserkulisse Nürnbergs wie große Bauklötze, ohne Fenster oder Türen. Besagte Bauklötze erweisen sich allerdings als recht beweglich, werden hin und her gerollt, und zum Schluss des 2. Aktes nach der großen Rauferei stürzt alles durcheinander. So richtig bunt und lebhaft wird es auf der Bühne erst im 3. Akt, wenn alles Volk Richtung Festwiese strebt, um dem Sangeswettstreit zu folgen. Das sieht dann ziemlich putzig aus, wenn die Nürnberger in ihren quietschbunten und mitunter ausgestopften Kostümen über die Bühne wuseln. Ein wenig wie bei Pippi Langstrumpf.

Fast fünf Stunden Richard Wagner vom Schwersten, das nötigt doch einige Bewunderung ab, was die Sangesqualitäten der Damen und Herren auf der Bühne betrifft. Tómas Tómasson ist der „eine und einzige“ Hans Sachs, um den sich alles dreht, der Übervater, der es schafft, alles zum Guten zu wenden. Tómassons wunderbare Bassbaritonstimme dringt durch, sein Agieren auf der Bühne ist maßgeblich für das Gelingen der Aufführung. Den schwülstigen Wagner-Text schafft der geborene Isländer nahezu akzentfrei. Respekt. Günter Papendell als Fritz Kothner ist leider etwas unterbeschäftigt. Tom Erik Lie singt (und spielt) überzeugend den Beckmesser. Und Erin Caves geht nicht nur von seiner Tenorstimme, sondern auch von seinem Äußeren glatt als ungestümer Ritter Walther von Stolzing durch. Die bei Wagner etwas unterrepräsentierte Damenwelt, also Eva (Johanni van Oostrum) und Magdalene (Maria Fiselier), schlagen sich prächtig. Gabriel Feltz führt das Orchester sehr flott durch die Partitur, weniger tragend-schleppend, als ich es sonst gewohnt bin. Der Chor setzt sich zusammen aus Chorsolisten des Hauses und Damen und Herren des Ernst Senff Chores, un dieses Ensemble sorgt dann schon für ein bisschen Gänsehaut, wenn „Wacht auf!“ im 3. Akt intoniert wird.

Trotz des ungewöhnlichen Bühnenbildes legt Homoki eine eher traditionelle Inszenierung auf die Bretter der Komischen Oper. Wenn’s am Ende der Oper auch mächtig deutschtümelt (Ehrt eure deutschen Meister...) und man meint, einige der nun folgenden Passagen seien aus dem Programm einer allseits bekannten rechtspopulistischen Partei abgeschrieben worden… nun, ja, so war er halt, unser Richard! Immerhin hat das dritte Opernhaus dieser Stadt den musikalischen Brocken „Meistersinger“ erfolgreich gestemmt. Das konnte man zumindest dem tosenden Schlussapplaus entnehmen.

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