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Livekritik zu

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

28.03.2010 - 10.10.2014 | Berlin / Berliner Ensemble
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august14979
am 10.10.2016

Nunmehr 21 Jahre steht Heiner Müllers Inszenierung der Brechtschen Hitler-Parabel vom Aufstieg des kleinen Chicagoer Gangster Ui zum Agitator und Diktator auf dem Programmzettel und regelmäßig ist es ausverkauft. Das hat sicher Gründe, und einer davon heißt Martin Wuttke. Er ist in Sprache und Bewegung der perfekte Ui.

Er spielt zu Beginn den hechelnden, auf der Bühne herumstreunenden Köter. Er bringt den Chicagoer Gemüsehandel unter seine Kontrolle. Und er ist der lebende Bühnenbeweis für Brechts These: Hinter Hitler und allem, was er verbrach, steht das Kapital, die Großindustrie. Unnachahmlich die Szene, in der Ui beim Schauspieler (unnachahmlich: Jürgen Holtz) Unterricht in Rhetorik und Gestik nimmt. Wuttke alias Ui gestikuliert, schreit, wütet, grimassiert – und scheint doch in ständiger Angst zu leben. Alle Nazi-Entsprechungen finden sich an diesem Abend auf der Bühne wieder: der klumpfüssige Goebbels, der prahlerische Göring, die dem Untergang geweihten SA-Bonzen, der tumbe Hindenburg.

Die Inszenierung dehnt sich auf fas drei Stunden, ist aber trotz allem sehr temporeich. Martin Wuttke geht wohl hier an die Grenzen, scheint sich völlig zu verausgaben. Die Frage der Verharmlosung der Nazis stellt sich hier nicht. Wahrscheinlich kommt man diesen bluttriefenden Despoten, welcher Couleur auch immer, eher bei, wenn man sie der Lächerlichkeit preisgibt. Ein mögliches Rezept für den Umgang mit dem aufkeimenden Rechtspopulismus. Aber diejenigen, die sich zu dieser Bewegung zählen, werden sich den „Arturo Ui“ eh nicht ansehen.

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Brechts Entlarvung: Gelächter über einen Machthaber.

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