Overlay
Livekritik zu

Dornröschen

13.02.2015 - 15.10.2017 | Berlin [ Charlottenburg ] / Deutsche Oper Berlin
« zurück zur Veranstaltungsseite
august14979
am 07.07.2016

Viel Freude hat der aktuelle Intendant des Staatsballetts Nacho Duato seit Amtsantritt noch nicht erfahren. Schon seinem Vorgänger Vladimir Malakhov flogen gegen Ende seiner Karriere harsche Kritiken um die Ohren, weil er dem zeitgenössischen Tanz zu wenig Raum gab. Doch das ist nichts im Vergleich zu den jetzigen Strafpredigten. Duato bringt seine Dornröschen-Inszenierung aus seinen St. Petersburger Zeiten zur Aufführung. Das geht – aber geht’s auch gut?

Duatos grundsätzliche Abneigung gegen das Ballett klassischer Prägung wird aus seiner Inszenierung allzu deutlich, so die Kritikermeinungen. So ganz kann ich diesen Auffassungen nicht folgen. Zugegeben: Duato hat reichlich gekürzt, daneben auch wieder Neues eingefügt. Gelungen scheinen mir die Auftritte der bösen Fee Carabosse und des um sie herumwuselnden schwarz gekleideten Gefolges. Das Orchester der Deutschen Oper arbeitet sich unter dem Dirigat  von Robert Reimer mit gewaltigem „Tschingbumm“, so wie es Tschaikowsky niedergeschrieben hat, durch die Partitur. Der Gast aus St. Petersburg, Leonid Sarafanov (als Prinz Desiré) ist wahrlich sprunggewaltig, seine Partnerin in der Rolle der Prinzessin Aurora, Angelina Vorontsova, weckt ein ums andere Mal Begeisterungsapplaus. Die Bühne ist einmal ein mit Aufwand gestalteter königlicher Ballsaal, später ein finsterer Wald, der sich zu gegebener Zeit in eine überdimensionierte Rosenhecke verwandelt. Die Kostüme sind allesamt ein Rausch aus Tüll, Samt und Seide und dürften allein für diese Inszenierung eine Kleiderkammer bis auf den letzten Bügel füllen. Warum die Herren fast durchweg durchsichtige Oberteile tragen müssen, bei denen die Brustwarzen durchschimmern, kann ich nicht recht nachvollziehen. Die Schrittfolge beim Tanz ist nicht immer einleuchtend, manchmal fehlt sogar der Einklang mit der Musik. Ich unterstelle mal, dass dies die Inszenierung so vorgibt, finde es aber etwas irritierend. Ob Duato mit diesem leicht missglückten „Dornröschen“ den Anspruch erfüllen kann, mehr Moderne ins Staatsballett zu transportieren, ist wohl fraglich. Sieht eher so aus, als wollte der Intendant mit dieser zuckrigen Version um die Gunst der Liebhaber des klassischen Tanzes buhlen.

Erwartungsgemäß ist der Applaus des Publikums gewaltig. Offenbar hat diese Dornröschen-Interpretation den Geschmack der heute Anwesenden getroffen.

Besucherfazit

Ein quietschsüßes Dornröschen – nichts für Diabetiker.

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
4 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Elisabeth Lehmann
  • Aberabends
  • Kunstfenster Dießen
  • Monique Siegert
  • Annette Finkl
  • Frollainwunder
  • ChrisCross
  • nikolausstein
  • Juliane Wünsche
  • Peter Griesbeck
  • Sophie Wasserscheid
  • Sarah Mauelshagen
  • Staatsoper im Schiller Theater
  • Christin Buse
  • Tatiana Michaelis
  • Iris Fitzner
  • Tollwood
  • august14979
  • Cristóbal Marrero-Winkens
  • Luisa Mertens
  • Meerfreude

Für Freikarten und Kulturtipps

Andere Besucher interessierte auch

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!