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Livekritik zu

Die zwölf Geschworenen

14.05.2012 - 21.04.2016 | Berlin [ Friedrichshain ] / Berliner Kriminal Theater
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august14979
am 01.04.2016

Zwölf, die über Leben und Tod eines Jugendlichen zu entscheiden haben, eingesperrt in ein Geschworenenzimmer, bei schwüler Hitze und aufgeladener Stimmung. Vielen ist Reginald Roses Stück nur aus dem Kino bekannt. Es gilt als ein Musterbeispiel für gelebte Zivilcourage - einer stemmt sich allein gegen die absolute Mehrheit. Sogar zweimal wurde der Stoff verfilmt, und beide Verfilmungen waren hervorragend besetzt. Obwohl es doch ein reines Kammerspiel ist, sich also sehr gut fürs Theater eignet. Während sich die Cineasten-Crew, d.h. die filmische Besetzung ausschließlich aus männlichen Geschworenen zusammensetzte, was vielleicht in der Zeit, in der Rose das Stück schrieb, durchaus üblich war, haben die „Kriminalisten“ in der Palisadenstraße ein gemischtes Ensemble auf die Bretter gestellt, insofern eine kleine Modernisierung eingebaut. Ansonsten bleibt der Text dicht am Original, wurde aber stark gekürzt.

Insgesamt ist die Inszenierung gelungen. Am langen Geschworenentisch sitzt man weitgehend an der Fensterseite. Einige positionieren sich seitwärts, aber nie mit dem Rücken zum Publikum. Die Figuren sind schlüssig besetzt – mit Ausnahme des Geschworenen Nr. 3, das ist derjenige, der bis zum Schluss, am Ende als einziger auf der Schuld des Angeklagten beharrt. An diesem Abend ist es eine Schauspielerin, deren Rolle für meinen Geschmack etwas zu schrill und überzeichnet angelegt ist. Geschworener Nr. 7, ein Koloss von einem Mann, der um sein wahrscheinlich versäumtes Baseballspiel bangt, Geschworener Nr. 10, der Choleriker, der sich zu brachialen Verbalattacken hinreißen lässt, Geschworener Nr. 4, der feinsinnig-intellektuell daherkommende Börsenmakler – oder die aufgebrezelte Nr. 12 aus der Marketingbranche – diese Besetzungen sind durchweg überzeugend. Das gilt auch für den Zweifler von Beginn an, der eben nicht so ohne weiteres seine Hand heben will, um jemand auf den elektrischen Stuhl zu schicken. An diesem Beispiel erkennen wir, dass Spannung auch ohne wilde Action erzeugt werden kann. „Die zwölf Geschworenen“ haben sich zu einem Dauerrenner für das Kriminaltheater entwickelt. Starker und langer Schlussapplaus.

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Emotions- und spannungsgeladene Unterhaltung mit Niveau

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