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Livekritik zu

Die schöne Helena

11.10.2014 - 15.02.2016 | Berlin / Komische Oper Berlin
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august14979
am 11.10.2017

Einmal mehr erweist sich Barrie Kosky als ein Segen für Wohl und Wehe der Komischen Oper. Nie war die Zuschauerresonanz so hoch, selten hat sich das Publikum so glänzend amüsiert, wie unter seiner Intendanz. Es hat sich längst herumgesprochen: wenn er selbst inszeniert, wird’s keinesfalls langweilig.

Offenbachs „schöne Helena“ gehört unzweifelhaft zu seinen Geniestreichen und eignet sich, wie man sieht, bestens, um eine prickelnde, tempogeladene, schrillbunte Travestieshow auf die Bühne zu zaubern. Hier werden alle bis an die Grenze der physischen Erschöpfung gefordert: der schauspielernde Chor, das irrwitzige „Herrenballett“ und die Sängerinnen und Sänger. Die Story ist aus der Antike wohlbekannt. Paris (Tansel Akzeybek), von der Göttin Venus mit der „schönsten Frau der Welt“ belohnt, spannt dem altersschwachen König Menelaus (Peter Renz) die Gattin Helena (Nicole Chevalier) aus. Dass dies den Trojanischen Krieg auslöste, bleibt bei Jacques Offenbach außen vor. In seiner „Opéra bouffe“ steht zur Vergnügen der Zuschauer nur das Frivole und lasterhafte Gebaren der antiken Akteure im Fokus. Nicole Chevalier gibt die perfekte Helena, Tenor Tansel Akzeybek (im Cowboy-Outfit) den dahin schmelzenden Herzensbrecher, während Peter Renz als ebenso gebrechlicher wie betrogener Gatte im Rollstuhl chauffiert wird. Stefan Sevenichs stattliche Figur wird noch einmal etwas aufgepumpt, damit er den Fettklops und Wagner-Fan Kalchas mimen kann. Und das macht er mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit, fast Grazie – wenn er zum Beispiel mit den Herren des Balletts, die mit knackigen Hinterbacken glänzen, auf Rollschuhen über die Bühne schwebt.

Hier passiert so viel Irrwitziges, dass man kaum zum Durchschnaufen kommt. Bunt, schrill und gnadenlos überdreht inszeniert Kosky die Helena, dass einem ob der tollen Einfälle (mit Aznavour-, Brel- und Piaf-Chansons) fast die Luft wegbleibt. Das Orchester bleibt hinter dieser turbulenten Ensembleleistung nicht zurück. Am Ende gibt’s den verdienten donnernden Applaus.

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Hier hätte auch Jacques Offenbach applaudiert .

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