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Livekritik zu

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

09.04.2016 - 12.04.2016 | Berlin / Schaubühne am Lehniner Platz
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august14979
am 25.06.2017

800 Romanseiten Frank Witzels zu lesen war schon eine kaum zu bewältigende Herausforderung. Der dermaßen Überanstrengte geht gespannt in Armin Petras Inszenierung. Und stellt erleichtert fest, dass der zum Glück das Mammutwerk auf zweieinviertel Stunden eingedampft hat. Roman und Stück werfen Schlaglichter auf die muffigen Nachkriegsjahre der „BeeErrDee“, wie sie in der DDR genannt wurde. Roman? Ich würde den Wälzer eher als eine Collage oder ein Puzzle, eine wilde, fast ungeordnete Sammlung von Kindheitserlebnissen bezeichnen. Und so hat auch Petras die Bühnenfassung angelegt.

Das Publikum, falls es im entsprechenden Alter ist, darf an diesem Abend die Erinnerung an eine fast verdrängte Epoche, die dumpfbackigen Adenauer-Jahre in der streng katholischen, miefigen Provinz auffrischen und sich diverser Aha-Effekte erfreuen. Also begleiten wir den pubertären Teenager, der irgendwann depressiv wird und zeitweilig in der „Klappse“ einquartiert wird. Wir erfreuen uns an seinen zaghaften Begegnungen mit dem anderen Geschlecht oder hören zu, wie sich die Jugendgang über die Beatles oder die Stones austauscht, amüsieren uns über die unsägliche „Frau von der Caritas“ und grinsen über die mediengeschürten DDR-Ängste, von denen die Halbwüchsigen geschüttelt werden.

Die fünf, die sich auf der Bühne an Frank Witzels Werk abarbeiten, geben ihr Bestes und lassen den Zuschauer immer wieder zwischen Frösteln und Grinsen schwanken. Die Studentenunruhen jener Zeit, die schließlich die gesellschaftlichen Verwerfungen gnadenlos offen legten, spielen nur eine Nebenrolle. Mehr als „an der Oberfläche kitzeln“ war sicher nicht zu erwarten. Letztlich bleiben unterhaltsame zwei Stunden. Das gibt’s ja nicht bei jedem Theaterbesuch…

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Ein Kessel Buntes aus der Nachkriegsära

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