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Livekritik zu

Der Jahrmarkt von Sorotschinzi

02.04.2017 - 10.06.2017 | Berlin / Komische Oper Berlin
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august14979
am 17.05.2017

Dunkel sind Saal und Bühne. Der Chor ist nur über die in Händen gehaltenen Kerzen schemenhaft erkennbar. Ganz leise hebt der Gesang an. So zurückhaltend gibt sich Mussorgskis „Jahrmarkt“ nur zu Beginn. Das wilde Treiben in Sorotschinzi wird im Verlauf der nächsten zwei Stunden ekstatisch.

Mussorgski hat das bäuerliche Leben im Russischen Reich in seiner Oper untergebracht: nicht nur ein buntes Markttreiben, sondern auch die kleinen Eifersüchteleien, die Wodkaseligkeiten und den Hang der Landbevölkerung zu geheimnisvollen Sagen, die sich hier um den Teufel höchstpersönlich drehen. Aber der Komponist, dem der Alkohol schwer zu schaffen machte, hat sie nicht zu Ende gebracht. Seine musikalischen Zeitgenossen mussten das für ihn erledigen.

Kahl und nackt ist die Bühne. In Stimmung bringen uns lediglich die Kostüme der Solisten und des Chors. Apropos Chor: der muss in Barrie Koskys Inszenierung das Landvolk geben, und der Chor macht das mit perfekter Hingabe. Die Damen und Herren sind an diesem Abend in blendender Form. Agnes Zwierko begeistert als Chiwrja, Ehefrau des Bauern Tscherewik. In ihrer Rolle als zänkische Gattin, die sich den Sohn des Popen als Liebhaber ausgesucht hat, um ihn, weil kein anderes Versteck sich anbietet, den Putenbraten über den Kopf zu stülpen. Bestens bei Stimme ist auch Jens Larsen in der Rolle des Trunkenbolds Tscherewik. Natürlich dreht sich alles um die hübsche Tochter Parasja (Mirka Wagner), die den Bauernburschen (Alexander Lewis) liebt und ehelichen will. Das das am Ende gegen den erklärten Willen von Mama Chiwrja klappt, versteht sich von selbst.

Höhepunkt ist das eingebaute sinfonische Werk des Komponisten, die „Nacht auf dem kahlen Berge“. Hier ist dann buchstäblich der Teufel los, der mit Schweinemaske erscheint, und – der schauerlichen Volkssage nach – seinen roten Mantel sucht, den der Wirt, der ihn nur aufbewahren sollte, widerrechtlich veräußert hat. Weswegen die satanische Schar Jahr um Jahr den besagten Jahrmarkt heimsucht.

Das Orchester unter der Leitung von Henrik Nánási begleitet das Geschehen tadellos. Trotz einiger Längen, die sich innerhalb von 120 Minuten fast zwangsläufig ergeben, ist es ein unterhaltsamer Opernbesuch. Vielleicht bin ich ja etwas altmodisch, aber der stete Blick auf die kalte Hintergrundtechnik einer leer geräumten Bühne wirkte auf mich manchmal desillusionierend.

Besucherfazit

Musikalische Bauernbühne - nahezu perfekt.

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