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Livekritik zu

Einführungsmatinee: Die Zauberflöte

11.11.2012 | Berlin / Komische Oper Berlin
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august14979
am 15.02.2017

Seit der Zeit Barrie Koskys als Intendant und erstem Regisseur an der Komischen Oper ist das Haus zu einem neuen Zuschauermagneten geworden. Das ist umso erstaunlicher, als natürlich die kleine Schwester der drei Berliner Opernbühnen nicht die Mittel hat, die ganz großen Stars zu verpflichten. Das macht sie aber durch eine Reihe toller Inszenierungen mehr als wett. Vor allem dann, wenn Kosky inszeniert, und mitunter man fragt sich, wo der Amerikaner nur seine Ideen herholt.

Mozarts „Zauberflöte“ gehört sicherlich zu den am häufigsten aufgeführten Werken. Das märchenhafte Sujet kennt man und es ist, so meint man, im Grunde ausgereizt, Überraschungen wären kaum zu erwarten. Welch ein Irrtum. Kosky hat sich als Mitstreiter Suzanne Andrade und Paul Barritt ausgewählt, zwei Filmanimateure, die mit dem Projekt „1927“ unterwegs sind. Das Bühnenerlebnis der im Stummfilmstil daherkommenden Zauberflöte ist verblüffend.

Die Bühne ist heute nur eine weiße Projektionsfläche, auf die die Kulisse als Film projiziert wird. Nun ist der Einsatz von Viedeofilmchen in Theater und Oper absolut nichts Neues, meistens mit der wackligen Handkamera aufgenommen, in Tele, damit man das Gezeigte kaum erkennen kann und mit so unruhigen Bildern, dass man dieses Bühnenaccessoires alsbald mehr als überdrüssig wird. Andrade und Barritt basteln einen Stummfilm mit märchenhaften Gestalten und Tieren, Pflanzen, geheimnisvollen Maschinen mit ineinander greifenden Zahnrädern. Animationen und reale Darsteller agieren auf geheimnisvolle Weise zusammen (wie probt man so etwas?). Rosa Elefantendamen fliegen vorüber. Oder Herzensteigen auf und zerplatzen, wenn Tamino und Pamina sich ansingen. Papageno schlürft roten Sekt aus einem überdimensionierten Animationsglas. Die Kostüme der Darsteller sind an die Stummfilmzeit angelehnt und könnten der Epoche von Harold Lloyd und Buster Keaton entstammen. Die Königin der Nacht erscheint als überdimensionierte Spinne, Olga Pudova leiht ihr nur den Kopf. Gesprochen wird in dieser Zauberflöte nichts. Die Texte – wir sind schließlich im Stummfilm – erscheinen als Riesenschrift auf dem Bühnenhintergrund.

Gesanglich erschien mir das alles ein bisschen dünn, wenn man von der bravourösen Königin der Nacht absieht. Bogdan Talos’ hatte als Sarastro eigentlich nur auf einem Podest zu sitzen. Sein schöner Bass kam im Parkett leider etwas verhalten an. Dominik Köninger als Papageno war eine gute Besetzung. Und Pamina (Brigitte Geller), nun, ja, blieb im Rahmen der Erwartungen. Das Orchester, heute unter der Leitung von Hendrik Vestmann, agierte ohne Tadel, gleichfalls der Chor, der als Sarastros Gefolge mit hohem Zylinder und angeklebten Vollbärten anzutreten hatte.

Kritisch anzumerken bleibt lediglich, dass bei dieser Inszenierung, in der das Visuelle stärker als sonst betont ist, der Wolfgang Amadeus vielleicht ein wenig in den Hintergrund gerät. Aber egal: so, wie sie konzipiert wurde, ist die „Zauberflöte“ eine bunte Wundertüte mit Überraschungen, an denen man sich fast zweieinhalb Stunden satt sehen darf.

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