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Livekritik zu

Menschen im Hotel

05.02.2017 - 30.04.2017 | Berlin [ Charlottenburg ] / Vaganten Bühne
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august14979
am 27.01.2017

Der Roman von Vicki Baum von 1929 war ein großer Erfolg, wurde sogar 1932 verfilmt. Mit Greta Garbo. Und dieser Diva längst vergangener Glamourzeiten werden wir mehrmals begegnen, wenn auch nur virtuell, wie man heute gemeinhin sagt.

Die Idee des Buchinhalts wurde von Regisseurin Johanna Praml nicht angetastet: die Einsamkeit der Menschen herauszustellen, insbesondere der im Hotel logierenden. Was liegt also näher, als gleich das ganze Bühnengeschehen in ein Hotel zu verlegen? Die Zuschauer, eben noch den verkündeten Anstandsregeln im Theater lauschend, verlassen dasselbe über die Bühne – und stehen fast vor dem Eingang des Savoy Hotel. Sie müssen nur noch die Fasanenstraße überqueren. Zuvor werden sie aber in vier Gruppen aufgeteilt. Diese werden dann in eines der (vorbereiteten) Zimmer des Savoy geführt. Hier nimmt man auf Sofas, Sesseln und aufgestellten Hockern Platz, um dem Geschehen buchstäblich hautnah zu folgen.

Herr Kringelein (Alessandro Calabrese), ein glückloser Buchhalter, weiß um seinen baldigen Tod und hadert sichtlich mit seinem Schicksal. Ihn zog es in die Großstadt, um am Ende seiner Tage noch einmal so richtig was zu erleben, weiß offenbar weiß er nicht so recht, wie man das anstellt. Im Zimmer nebenan wohnt die berühmte Tänzerin Grusinskaja (Katharina Behrens), die gerade auf der Bühne ausgepfiffen wurde und demzufolge vom Burnout-Syndrom bedroht scheint. Sie trifft auf den windigen Baron von Gaigern (Raphael Fülöp), einen Hochstapler in Geldnöten, in den sie sich unsterblich verliebt. Direktor Preysing (Rainer Reiners) hingegen braucht dringend die Fusion seiner Firma mit einem auswärtigen Investor - und verfällt „Flämmchen“ (Mara Niese), einer Aushilfs-Tippse. Sorglos scheint hier nur das Hotelpersonal zu sein: der umtriebige Hotelboy (Leon Baschke) und das etwas verhuschte Stubenmädchen (Mariella Jurgella), das uns zum Ende des Spiels in die ehrfurchtgebietende Greta-Garbo-Suite geleitet. So ziehen wir an diesem Abend von Etage zu Etage, von Hotelzimmer zu Hotelzimmer, um immer wieder neu Augen- und Ohrenzeugen neuer menschlicher Dramen zu werden. Am Ende werden alle Gruppen in der Bar zusammengeführt.

Das Savoy Hotel ist mit seiner Marmor- und Plüschausstattung die geradezu ideale Kulisse für Vicki Baums Romanvorlage. Man spürt beim Durchschreiten der schmalen Gänge und lüsterbehangenen Aufenthaltsräume, dass diese samtene Bettenburg auch ein bisschen kämpfen muss, um sich gegenüber den neu entstandenen Luxusherbergen im näheren Umfeld weiter behaupten zu können. Zu viele der traditionsbehafteten Häuser mussten in der Vergangenheit für immer schließen. Wie kaum ein anderes Haus präsentiert das Savoy den leicht verstaubten Luxus vergangener Zeiten. Den Vaganten, eine kleine und bemerkenswert ambitionierte Bühne, ist hier ein Geniestreich gelungen, denn authentischer lässt sich dieses Stück kaum in Szene setzen. Wenn sich auch manche Zimmerszene ein wenig zieht, insgesamt betrachtet kann man dem Theater, das sich im Schatten des Delphi und des Theater des Westens eingerichtet hat, nur eine große Zuschauerresonanz wünschen. Sie haben es sich verdient.

Besucherfazit

Originell inszenierte "Outdoor"-Theaters

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Titel: 
Menschen im Hotel
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Ort: 
Vaganten Bühne Berlin
Zeitraum: 
18.12.16

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