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august14979
am 23.01.2017

Kein Dinner zu Viert erwartet uns. Elias Perrig hat die Tragikomödie in einen total weißen Wohnraum ohne Sitzmobiliar verlegt, so dass das Ensemble sich stehend oder gehend austauschen muss. Das Thema ist aktueller denn je: Amir (Jon-Kaare Koppe) ist ein halbwegs erfolgreicher Anwalt, gebürtiger Pakistani, ein total integrierter, der seinen Namen ändert, um nicht seine islamische Herkunft preiszugeben. Und er hasst den Islam als eine total menschenverachtende Religion. Während seine amerikanische Ehefrau Emily (Melanie Straub) den Islam schätzt, vor allem seiner Kunst Traditionen wegen. Beide sind befreundet mit dem Galeristen Isaac (Philipp Mauritz) und seiner Ehefrau Jory (Larissa Aimée Breidbach).  Isaac unterstellt Amir – zunächst leicht scherzhaft – im Grunde seines Herzens immer noch ein Muslim zu sein. Es kommt zum Streit, in dem Amir einräumt, insgeheim ein wenig stolz auf den Anschlag vom 11. September gewesen zu sein. Das reicht. Der Streit auf der Bühne eskaliert, Amir vergisst sich und sein Bewusstsein, längst integriert zu sein und fällt in archaische Verhaltensweisen zurück, d.h. er verprügelt seine Frau. Damit steht er am Ende ohne alles da: Frau verlassen, in seiner Anwaltskanzlei ausgegrenzt, Freunde verloren. Ein sorgsam aufgebautes und gepflegtes Kartenhaus fällt in sich zusammen. Dafür genügten ein paar unbedachte Äußerungen. Amirs Neffe Abe (Moritz von Treuenfels) bringt es auf den Punkt, wenn er behauptet, ein Muslim kann machen was er will – er wird nie ein anerkannter Amerikaner sein. Parallelen zur aktuellen politischen Situation in den Staaten – hier drängen sie sich geradezu ins Bild.

„Geächtet“ geht von Beginn an als Drama über die Bühne. Wer in den hinteren Sitzreihen sitzt, wird alle Mühe haben, die mit unter schnell oder sehr leise gesprochenen Dialoge zu verstehen. Akustisch ist das Hans-Otto-Theater nämlich eine mittlere Katastrophe. Kleine Verschnaufpausen werden von Live-Klavierspiel untermalt. Die Ensemble-Leistung kann sich sehen lassen. Lediglich Frau Breidbach bleibt in ihrer Rolle etwas blass. Nach 75 Minuten wird der Zuschauer nachdenklich in die Kälte des frühen Abends entlassen.

Besucherfazit

Aktueller denn je.

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Titel: 
Geächtet
Ort: 
Hans-Otto-Theater Potsdam
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Zeitraum: 
22.01.17

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