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Livekritik zu

Nabucco

08.09.2013 - 22.12.2013 | Berlin [ Charlottenburg ] / Deutsche Oper Berlin
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august14979
am 15.01.2017

Tja, auch um Opernstars macht der Virus leider keinen Bogen. Roberto Taglivani alias Zaccaria war indisponiert und musste sich gesanglich abmelden. Er beschränkte sich mithin aufs „Szenische“, während der finnische Bassbariton Tuomas Pursio, erst eine Stunde vor Vorstellungsbeginn eingetroffen, den stimmlichen Part übernahm. Und das machte er ausgezeichnet.

 

Die Inszenierung von Keith Warner geht keine großen Risiken ein: der Opernbesucher erkennt die Mauern Babylons, sieht die Damen und Herren des Chors passend kostümiert herumlaufen, hat die missrate Königstochter und einstige Sklavin Abigaille in eleganter Robe im Auge, die sich Verlauf des Geschehens (wohl als Gipfel alles Lasterhaften) auf riesigen Kopfkissen räkelt. Das Herrschen über Babylon erfolgt zumeist von einem Turm mit erleuchteter Wendeltreppe aus, die Soldateska schwingt drohend die Spieße, von der Decke hängen Schriftrollen mit Texten in unterschiedlichen Sprachen (babylonische Sprachenverwirrung?) und gegen Ende des 3. Akts fallen für die beabsichtigte Hinrichtung dekorativ die Henkerseile aus der Decke. Dies alles wird von soliden Mauern umgeben, die sich auf- und zuschieben lassen. Von  einem Kulissenschieber mit üppigem weißen Bart. Soll wohl Gott sein. Mithin ist alles so gestaltet, dass es der durchschnittliche Opernfan noch einigermaßen deuten kann.

König Nebukadnezar, abgekürzt: Nabucco (Dalibor Jenis), macht gute Figur und Stimme zum perfiden Spiel, wird aber von der genialen Intrigantin Abigaille (Anna Smirnova) glatt an die Wand gespielt – und gesungen. Deren Präsenz und Stimmgewalt macht es den anderen Mitwirkenden schwer, durchzudringen. Wieder einmal fulminant ist der Chor, der den berühmten Gefangenenchor sehr zurückhaltend, fast melancholisch anstimmt und zudem immer wieder (als die gefangenen Kinder Israels) die Bühne bevölkert. Chorleiter William Spaulding hat exzellente Arbeit geleistet.

Bleibt noch ein Lob für das Orchester, von Paolo Arrivabeni bestens geleitet. Am Ende geht der Opernbesucher befriedigt nach Hause. Es war nicht der ganz große Abend, aber es war doch insgesamt eine runde Sache. Nabucco, zunächst dem Wahnsinn verfallen und sich selbst zum Gott erhebend, gesundet allsogleich, stößt seine Nachfolgerin Abigaille vom frisch erworbenen Thron, begnadigt die Juden und entlässt sie in die Freiheit. Zugleich, dem Götzen Baal abschwörend, bekennt er sich zum Allmächtigen. Der bärtige Alte schließt höchstselbst wieder das Gemäuer und lässt damit die böse Abigaille draußen, verweigert ihr praktisch die Absolution. Ach, wenn sich doch alle Konflikte dieser Erde so simpel lösen ließen. Leider funktioniert das nur in der Oper.

Besucherfazit

Im Ganzen gelungen.

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