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Livekritik zu

Die Affäre Rue de Lourcine

30.10.2016 - 23.01.2017 | Berlin [ Mitte ] / Deutsches Theater Berlin
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august14979
am 01.01.2017

Am Anfang, der Zuschauer sucht noch seinen Platz, beleben die weiß vermummten Tatortreiniger die Bühne. Gar Schreckliches muss sich ereignet haben. Tatsächlich hat Oscar (großartig: Michael Goldberg) einen eklatanten Filmriss und kann, schwer verkatert, sich nicht mehr an den Abend zuvor erinnern. Zudem liegt Mistingue (Felix Goeser), ein ihm gänzlich unbekannter Mann in seinem Bett, furzend und schnarchend. Oscars liebreizende Gattin (auch herausragend: Anita Vulesica) entnimmt dann auch noch aus der Zeitung, in der Nacht sei ein armes Kohlenmädchen von zwei Stockbetrunkenen erschlagen worden. Wo haben die beiden fraglichen Herren mit dem Gedächtnisschwund denn nun ihre kohleschwarzen Hände her? Was ist das für ein Häubchen, und wem gehört der einzelne Damenpumps? Oscar und Mistingue steigern sich immer mehr in die Idee, sie könnten die Täter sein und versuchen auf skurrilste  Art, ihre vermeintliche Missetat zu vertuschen. Dass es sich um eine uralte Zeitungsausgabe handelt, wissen nur die Zuschauer zu einem frühen Zeitpunkt.

Karin Henkel hat Eugène Labiches Komödie ein wenig wie einen Slapstick inszeniert. Das Tempo ist beträchtlich, die Drehbühne ist fast permanent in Bewegung und gibt immer neue Facetten der „Affäre“ frei. Erfreulich an Henkels Regiearbeit: Man amüsiert sich durchgehend, und obwohl auch mit Furzen, Rülpsen und Schnarchen „gearbeitet“ wird, stürzt das Stück nicht in Richtung Klamotte ab. Camill Jammal muss mehrere Rollen übernehmen, z.B. den jugendlichen Sohn im kleidsamen Strampelanzug und entsprechend hoher Stimme. Die Zimmermaid Justine wird ebenfalls von ihm dargestellt, zusätzlich noch von Wiebke Mollenhauer und Christoph Franken. Folglich erscheint Justine mitunter zu dritt auf der Bühne, was nur anfangs ein wenig verwirrend ist. Die Drehbühne ist mehrfach unterteilt und zeigt die Szenerie aus wechselnder Perspektive.

Im Verlauf der Komödie erweisen sich die beiden Hauptakteure als charakterliche Schwächlinge, am Ende gar als wirkliche, wenn auch des neueren stark alkoholisierte Mörder. Denn Mistingue beseitigt auf blutige Art und Weise die vermeintlichen Belastungszeugen. Es ist also keineswegs abwegig, in Drucksituationen in jedem harmlosen Spießbürger auch einen  potenziellen Killer zu sehen. Oder wurden die Zeugen doch nicht gemeuchelt? War alles nur Einbildung, Phantasie? „Ist’s vorüber, lacht man drüber. Lachen ist gesund!“ singt das Ensemble zum vermeintlichen Happy End.

 

 

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Slapstick, gepaart mit Nachdenklichem

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