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Livekritik zu

Vergil und Kaiser Augustus

19.12.2013 - 21.12.2013 | Hamburg [ Mitte ] / Hamburger Sprechwerk
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Arne
von Arne
am 11.02.2014

Es war mein erstes Mal im Hamburger Sprechwerk. "Aha, ein Theater unweit des Berliner Tors." Und in der Tat scheint man sich absichtlich abseits der großen Häuser zu positionieren, am ehesten vielleicht vergleichbar mit dem Thalia Theater in der Gaußstraße. Beim Eintritt Kantinenflair, Gäste stehen entspannt zusammen und nehmen ein Getränk. Als Eintrittskarten halten diese kleinen Papierdinger mit einer perforierten Ecke her, für die ich in der Grundschule früher Milch und Kakao bekommen habe.

Ich entschied mich für ein Bier  und erspähte einen Livekritik Aufkleber an einer Tür.

Die Platzwahl war frei, meine Begeleitung und ich waren aber fix und wir saßen ganz prima. Getränke durfte man übrigens mit in den Saal nehmen, was ich sehr gelungen fand.

Das Stück wurde von den zwei Titel gebenden Figuren bestritten, Vergil (Mathieu Carrière) und Augusts (Hans-Jörg Frey) und meine Begleitung hatte natürlich recht: "Wahnsinn, was die dafür auswändig gelernt haben!" Zumal in Anbetracht längerer monologischer Passagen. Unterbrochen wurde nur immer wieder kurz durch Tanz oder etwas Musik von einer Melodica.
Ich mochte vor allem die erste Hälfte des Stückes, während der Vergil seine Aeneis noch nicht Augustus überantwortet hat, sondern mit sich, der Liebe und dem Werk ringt. Zuweilen etwas wirr aber mit schönen Textpassagen, die ich sehr genossen habe. Der schließlich einsetzende Dialog mit Augustus brachte dann etwas Schwung in die Veranstaltung. Allein der Geisteswandel Vergils, die Aeneis nun doch nicht als Opfergabe zu verbrennen sondern an einen Kaiser abzugeben, den er  - zumindest inzwischen - nicht mehr über alle Maßen schätzt, ging mir etwas zu abrupt.
"Gut, jetzt haben wir uns 15 Minuten erhitzt darüber ausgetauscht, was mit dem Werk passieren soll und ... ach, weißt Du was, nimm ihn doch einfach." Das war natürlich kein Zitat.
Als Liberalist, der ich bin hat mich folgendes Zitat hingegen sehr gefreut: "Die Römische Ordnung ist ein Sinnbild des römischen Geistes." Und: "Im Reich der Erkenntnis wird Dein Staat überflüssig werden."
Das macht einen in einem Deutschland nach dem Wahljahr doch direkt wieder zuversichtlich einerseits und lässt einen besorgt zurück ob des deutschen Geistes.
Das jedenfalls war eine Aktualisierung des Stoffes, die zumindest bei mir eingesetzt hat, die gleichermaßen unerwartet und erfreulich war. Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient hat. Da wird was dran sein. Demokratische Strukturen vorausgesetzt.

Abgesehen davon hat die zweite Hälfte des Stückes nicht mehr gar so sehr zu mir gesprochen der dritte und vierte Akt Erde - Erwartung und Äther - Heimkehr blieben sprachlich hinter den ersten Monologen Vergils zurück. Zudem ließen die einsetzende romantische Verklärung und synästhetische Beschreibungen gepaart mit wirren mystischen und/oder philosophischen Gedankengängen den Zuschauer doch etwas im Äther.

Am Ende stirbt Vergil und findet Erlösung. Deswegen, so das Programm, handle es sich um eine Vorweihnachtsgeschichte. Nun. Zum einen wird an Weihnachten ja weder gestorben noch erlöst sondern erstmal geboren und zum anderen ging das mit meinem persönlichen christmas spirit auch nicht so richtig konform.

Dennoch. Es war ein unterhaltsamer, sehr kurzweiliger Abend und das Hamburger Sprechwerk ist eine durchaus willkommmen Abwechslung.

Besucherfazit

Kurzweilige Abwechslung in erfrischender Spielstätte. Allerdings: wenig vorweihnachtlich.

Bewertung

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