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Livekritik zu

Put down this wild track, would you?

22.05.2014 | Hamburg [ Altona ] / Thalia in der Gaußstraße
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Weniger ist mehr, oder?

Zunächst einmal muss man Jana Vetten ein gewisses Maß an Mut zusprechen, weil sie so kurzfristig als Ersatz für die Aufführung aus Essen angetreten ist. Ihr Stück “Put down this wild track, would you?” überraschte mit Minimalismus auf jeder Ebene. Ob es eine gute Überraschung war, muss das Publikum entscheiden.

Gesprochen wurde wenig, gesungen ein bisschen und Bewegung konnte man fast nur im Kleinen wahrnehmen. Passend zum Auftritt der Schauspieler war das Bühnenbild gelungen zurückhaltend. Die dunkle Straßenszene, die durch ein Dreieck und Laternen herbeigeführt wurde, vermittelte den Eindruck einer verwaisten Nacht. Nebeneinander beichten die drei Schauspieler ihre Gedanken. Wir hörten von einer Frau, dass sie sich in die Farbe Blau verliebt hat. Ein Musiker erzählte davon wie jemand auf seiner Gitarre das Spielen gelernt hat. Der Dritte litt noch immer unter dem Selbstmord eines Freundes.

Selten gab es Momente in denen sich die Erzählstränge annäherten. So hörte man leises Atmen von der Frau, das zunächst zusammenhangslos ins Mikrofon floß. Doch dann, als ein anderer Schauspieler vom Erstickungstod seines Freundes erzählte, wurde aus dem Atmen ein Stöhnen und aus dem Stöhnen ein Röcheln. In diesem kurzen Augenblick partizipierten die zwei Schauspieler von derselben Geschichte. Da keimte kurz die Hoffnung bei mir, dass es hier doch noch eine gemeinsame Handlung geben könnte. Zum Großteil jedoch wurden die drei Erlebnisse parallel und unabhängig voneinander dargeboten. Es schien alles gut durchdacht und die Schauspieler brachten das Wenige, dass Jana Vetten ihnen mitgegeben hat, gut auf den Punkt – aber es entstanden auch viele langatmige Pausen, die es bei nur 40 Minuten Spielzeit nicht hätte geben müssen.

Auch wenn nur wenig gesagt wurde, war doch ständig etwas zu hören. Körner fallen auf den Boden, Plastik wird zerknittert, Luftschlangen, die zu Boden fallen. Das ergab eine sehr stimmige und interessante Geräuschkulisse, die vom Zuschauer aber auch viel Geduld forderte. Jana Vetten verlangte – sicherlich in voller Absicht – die absolute Konzentration des Publikums. Denn so fein wie die Geräusche, waren oft auch die Mimiken und Gestiken.

Nur, wer wirklich aufgepasst hat, konnte das ganze Spektrum dieser minimalistischen Darbietung erfassen. Das vorauszusetzen kann mutig sein. Es kann aber auch dazu führen, dass – trotz des ordentlichen Applauses – nur Wenige ihren Stimmzettel in die weiße Box im Foyer geschmissen haben.

Kommentar: Angela Ölscher
Kamera und Schnitt: Christoph Brüggemeier

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Für einen leisen, ruhigen Abend gut geeignet

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