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Livekritik zu

Touched

24.11.2017 - 23.02.2018 | Hamburg [ Mitte ] / Hamburger Sprechwerk
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amateurkritiker
am 28.11.2017

Das Theaterstück Touched hat mich zutiefst berührt. Es ist unfassbar wie greifbar das komplexe Thema der PTBS gemacht wurde. Wie großartig die Schauspieler den Kampf dargestellt haben, wie überzeugend sie die Rollen gespielt haben. Es wurde eine unglaublich bewegende Geschichte erzählt, die gnadenlosen Schmerz zeigt, dem Publikum aber dennoch Pausen der Unbeschwertheit einräumte: mit Humor und Liebe wurde die Tragik ertragbar gemacht. Ich habe die ganze Zeit mitgefühlt und habe dies auch bei anderen Zuschauern beobachten können. Kleine Gesten, wie das Massieren des eigenen Nackens oder das beseitigen der Tabakreste auf dem Sofa haben eine so natürliche, echte Wirkung erzeugt, dass ich zwischenzeitlich vergaß, dass es sich um eine Theateraufführung handelte. Durch die Kombination mit den Einspielern und die Professionalität der Schauspieler, des Bühnenbildes und des Tons, wirkten die einzelnen Szenen auf der Bühne wie Teile aus einem Film. Bewusst wurde mir dies besonders, als dann doch offensichtliche Theaterelemente genutzt wurden (in einer Szene, wo die Zeit vergeht und Shenna im Dunkeln zb ein Bademantel gebracht wurde). Ich bin fasziniert davon, wie sehr auf den Punkt die PTBS mit all ihren Facetten dargestellt werden konnte. Hierbei hat mich besonders die Szene der "anderen Welt" tief beeindruckt. Mir wurde dieser Zustand schon etliche Male von verschiedenen Personen beschrieben, immer mit dem Zusatz, dass Worte nicht reichen. Ich habe ein großes Einfühlungsvermögen und eine große Vorstellungskraft. Trotzdem konnte ich mir das Ausmaß nicht so gut ausmalen wie ich es jetzt, dank dieser Szene, kann. Das Zusammenspiel der schnell aufeinanderfolgenden Bilder mit dem Sound machte ein so anschauliches Bild dieses Empfindens, dass es mir Tränen in die Augen trieb und diesmal mir die Worte fehlen.

 

Tränen hatte ich aber beiweitem nicht nur in diesem Teil des Stückes. Ich habe so sehr mitgefühlt, bin so sehr rein gegangen. Durch den ersten Einspieler von Christa L., in dem sie erklärt, dass der traumatisierte Mensch als 3 jähriger reagiert, wenn er als 3jähriger traumatisiert wurde und anschließend getriggert wird, verursachte, dass ich Shenna während des Stückes immer wieder als Kind sah. Die Verschmelzung von Erwachsenem und innerem Kind war perfekt umgesetzt, nicht nur durch Einspieler und Text, sondern durch den gesamten Aufbau der Story.

 

Es war mehrmals schwierig für mich nicht auf die Bühne zu gehen und Shenna und Toni in den Arm zu nehmen. Das spricht für die schauspielerische Leistung der Akteure.

 

Ich bin davon überzeugt, dass dieses Stück auch jedem, der vorher unwissend über die Thematik war, das Thema Trauma sehr gut begreifbar gemacht hat. Ich bin mir sicher, dass jeder etwas mitnehmen konnte, was dazu führt, dass er sich selbst näher ist. Sei es indem sich einige der Zuschauer daran probieren sich selbst Nettes vor dem Spiegel zu sagen, oder durch die anschließende Rede von Denise Stellmann gute Begegnungen mit den Mitmenschen suchen. Ich persönlich habe durch das Stück angefangen meinem inneren Kind ein Gesicht zu geben. Ich arbeite daran nicht nur mit ihm zu reden (was ich vorher schon tat), ich stelle es mir bildlich vor. Ich danke dem Team von Stellmann Production aufrichtig dafür.

 

 

Was die da auf die Beine gestellt haben, war so wichtig und es hat die Welt verändert. Ich kann gar nicht beschreiben wie toll ich das Stück finde.

 

Ich würde jedem empfehlen dieses Stück zu sehen. Es sollte Pflichtprogramm sein für Menschen die mit traumatisierten Menschen arbeiten und/oder leben.

 

Was ich noch besonders berührend fand: am Ende konnte man sehen, dass alle Schauspieler und

Beteiligten beim Verbeugen Tränen in den Augen hatte. Daran sieht man noch einmal, wie intensiv dieses Stück ist.

 

Vielen Dank für diese Erfahrung.

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