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Feuilleton


21. April 2011, Oper Köln

Karlheinz Stockhausen: SONNTAG AUS LICHT (Teil II)

Welturaufführung


SONNTAG AUS LICHT von Karlheinz Stockhausen an der Oper Köln - Foto (C) Klaus Lefebvre


Erhaben zurück in den Alltag: Karlheinz Stockhausens Sonntag aus Licht (Teil II)

Auf zum zweiten Teil von Stockhausens Sonntag aus Licht. Etwas weniger wackere Zuschauer und Zuhörer als beim gestrigen ersten Teil haben sich wieder im Staatenhaus in Köln versammelt für Szene 4 und 5 samt Schlussmusik, genannt „Sonntags-Abschied“. Da Szene 5 zweimal gegeben wird, ist auch der zweite Abend – wie der erste – in drei Abschnitte von gut 45 bis 60 Minuten Dauer eingeteilt und endet gegen 23 Uhr.

Zunächst geht es wieder in den schlauchförmigen Saal B, aber dieses Mal gibt es keine 3-D-Projektionen – zum Glück! – sondern eine szenische Aktion. Diese kulminiert darin, dass auf einer Trage eine goldgewandete Frau hereingetragen wird (Eva), die von einem Knaben begleitet wird (Michael). Schließlich taucht ein Pferd auf (kein echtes, sondern eine Maschine, die von Menschenhand bedient wird), auf das der kleine Michael gesetzt wird und auf dem er in die Weiten des Staatenhauses reitet. Zum ersten Mal erhält man in diesem Moment übrigens einen Einblick in die eigentümliche Bauweise des Staatenhauses, dessen Grundriss ein Halbrund ist, das innen durch einen Säulengang nachgebildet wird. Es wäre schön gewesen, diesen ungewöhnlichen Raum mehr zur Geltung kommen zu lassen – wenn schon ein solcher Aufführungsort genutzt werden –, anstatt das Geschehen auf einer recht konventionellen Guckkastenbühne, die in den Raum hineingebaut wurde, stattfinden zu lassen.



SONNTAG AUS LICHT von Karlheinz Stockhausen an der Oper Köln - Foto (C) Klaus Lefebvre

SONNTAG AUS LICHT von Karlheinz Stockhausen an der Oper Köln - Foto (C) Klaus Lefebvre

SONNTAG AUS LICHT von Karlheinz Stockhausen an der Oper Köln - Foto (C) Klaus Lefebvre


Diese Szene 4, der Beginn des zweiten Abends, ist zentral für Sonntag aus Licht. Anders als in den anderen Szenen von Sonntag, treten Michael und Eva, neben Luzifer die Hauptprotagonisten von Stockhausens Licht, hier nämlich leibhaftig auf. Musikalisch ist diese Szene, in der u.a. auf die Tage des Licht-Zyklus zurückgeblickt wird, sehr anrührend und bewegend. Kein Wunder also, dass sie viel Applaus und sogar einige Bravorufe erntet. Eine Warnung sei in allerdings an all diejenigen ausgesprochen, die geruchsempfindlich sind: Während der gesamten Szene werden links und rechts der Zuschauerreihen Weihrauchgefäße geschwenkt. Denn immerhin ist sie mit „Düfte – Zeichen“ betitelt und davon soll der Zuschauer bitteschön auch etwas mitbekommen.

Besonders gefordert ist an diesem zweiten Tag von Sonntag aus Licht das Tanzensemble: Die Tänzer sind in Szene 4 und 5 präsent, die Wiederholung von Szene 5 rückt dann das Orchester in den verdienten Mittelpunkt (oder andersherum, je nachdem, in welcher Reihenfolge man die Szenen sieht). „Hoch-Zeiten für Chor“ führt das Publikum wieder ins das Rund des Saales A, dieses Mal aber ohne Liegestühle. Im Stehen wird dieser Abschnitt absolviert. Man kann sich den Raum erwandern und aus einer individuellen Perspektive beobachten, wie die Tänzer in kleinen Gruppen Hochzeitssituationen nachstellen. Die Musik wird über Lautsprecher eingespielt. Die Raumfreiheit wird den Zuschauern am Ende der Szene genommen, die Tänzer, die jetzt Stelzen tragen, führen sie in der Mitte des Raumes zusammen und bilden einen geschlossenen Kreis, aus dem man nicht heraustreten kann – man könnte fast sagen, sie pferchen die Zuschauer ein, wenngleich auf eine freundliche Art und Weise. Das ist etwas schade, weil die offene Raumsituation, in der jeder Zuschauer Musik und Szene und Raum individuell auf sich wirken lassen kann, eine Erfahrung ist, die gut zu Stockhausens Musik zu passen scheint. Das Zusammentreiben dagegen löst Beklemmung aus und ist eine unnötige Bevormundung.

Für die letzte Szene des Abends – und des Stücks – geht es wieder in Saal B zu „Hoch-Zeiten für Orchester“. Banal wie in Szene 3 am vorigen Tag auch hier wieder die Projektionen: Es gibt einige Duettpassagen zwischen Instrumentalisten, zu denen jeweils die entsprechenden Instrumente projiziert werden, adrett umeinander kreisend. Dafür gab es ein paar Lacher aus dem Publikum. Mehr ist dazu auch nicht zu sagen.

Entlassen wird der Zuschauer aus dem Gebäude, dem Abend und einer insgesamt (mit Pausen) siebenstündigen Aufführungsdauer an zwei Tagen mit dem „Sonntags-Abschied“, einer Version von „Hoch-Zeiten“ (gespielt in Szene 5) für fünf Synthesizer, der über Lautsprecher übertragen wird und überall im Gebäude und noch weit in den Rheinpark hinaus zu hören ist. Das ist ein gelungener Schlusspunkt, der den Zuschauer in den Alltag und die Welt außerhalb von Stockhausens Musik zurückträgt und zugleich die Spaziergänger am Kölner Rheinufer an dieser Musik teilhaben lässt.

Die Uraufführung von Stockhausens Sonntag aus Licht ist ein Ereignis. Die Lorbeeren dafür gebühren der Musik, dem Musikern, den Sängern (Chor und Solo), den Tänzern und der Technik. Die Regie bewegt sich nahe am Kitsch und an vielen Stellen fällt ihr herzlich wenig ein. Dennoch sollte man sich die zweiteilige Aufführung nicht entgehen lassen. Allzu oft sind Teile aus Stockhausens Licht-Zyklus wahrlich nicht zu sehen bzw. zu hören.


Karoline Bendig - red. 25. April 2011 (2)
ID 00000005178
SONNTAG AUS LICHT II (Staatenhaus am Rheinpark, 21.04.2011)
Musikalische Leitung: Kathinka Pasveer und Peter Rundel
Szenisches Konzept: Carlus Padrissa (La Fura dels Baus), Roland Olbeter und Franc Aleu
Inszenierung: Carlus Padrissa (La Fura dels Baus)
Bühne: Roland Olbeter
Video: Franc Aleu
Kostüme: Chu Uroz
Dramaturgie: Dr. Thomas Ulrich
Licht: Andreas Grüter
Klangregie: Paul Jeukendrup und Kathinka Pasveer
Ton: Igor Kavulek
Choreographie: Athol Farmer
Mit: Csilla Csövári, Hubert Mayer, Maike Raschke, Alexander Mayr, Jonathan de la Paz Zaens, Michael Leibundgut, Noa Frenkel, Leonard Aurisch (Knabenstimme)
WDR Rundfunkchor
(Chorleitung: Rupert Huber)
5 Synthesizer (5-spurige Tonbandprojektion): Marc Maes (Syn. I), Frank Gutschmidt (Syn. II), Fabrizio Rosso (Syn. III), Benjamin Kobler (Syn. IV), Antonio Pérez Abellán (Syn. V)
musikFabrik
Premiere war am 10. April 2011
Weitere Termine: 27. / 29. 4. 2011
Gesamtaufführung von Sonntag aus Licht am 1. Mai 2011


SONNTAG AUS LICHT (Teil 1)


Weitere Infos siehe auch: http://www.operkoeln.com


E-Mail an die Rezensentin: karoline.bendig@kultura-extra.de





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