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Feuilleton


23. - 28. August 2011, Kölner Philharmonie

WEST-EASTERN DIVAN ORCHESTRA

BEETHOVEN-ZYKLUS 2011


Daniel Barenboim, der 1999 (mit Edward Said) das WEST-EASTERN DIVAN ORCHESTRA gründete, hier während einer Pressekonferenz anlässlich des einwöchigen Gastspiels des Orchester mit allen Beethoven-Sinfonien in der Kölner Philharmonie - Foto (C) Helga Fitzner


Mit dem West-Eastern Divan Orchestra (WEDO) hat die Kölner Philharmonie die Feierlichkeiten zu ihrem 25-jährigen Bestehen am 14. September 2011 begonnen. Unter der Leitung Daniel Barenboims wurden gestern Abend die Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21 und Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 von Ludwig van Beethoven gespielt. (Die für den Abend angekündigt gewesene dritte Leonoren-Ouvertüre wurde kurzfristig auf das WEDO-Konzert am Samstag, 27. 8., verschoben.) Bis zum 28. August kommen also Beethovens sämtliche Sinfonien zur Aufführung.

Barenboim ist argentinisch-israelischer Herkunft und hat 1999 Aufsehen erregt, als er zusammen mit dem amerikanisch-palästinensischen Literaturkritiker Edward Said die Idee umsetzte, ein Orchester aus israelischen, palästinensischen und arabischen Nachwuchsmusikern zusammen zu stellen, mit dem er nun seit zwölf Jahren Erfolg hat. „Wir glauben nicht, dass man Konflikte mit Waffengewalt lösen kann“, erklärte Daniel Barenboim bei der Pressekonferenz in Köln. „Man hat das über 60 lange Jahre versucht, aber es funktioniert nicht. Wenn das nicht hilft, muss man etwas anderes versuchen. Und dieses Andere, was wir in diesem Orchester erleben, erfüllt mich mit tiefster Freude.“

Die Proben und Zusammenkünfte der unterschiedlichen Menschen führt durchaus zu Konflikten, gibt Barenboim zu: “Wir streiten über Vieles in diesem Orchester. Das ist in jeder Gemeinschaft so. Aber wir sind maximal zwei Monate im Jahr zusammen, deshalb bemühen wir uns, so gut es geht, miteinander zurecht zu kommen. Manchmal kostet das auch ein bisschen Überwindung. Stellen Sie sich vor, ein junger syrischer Musiker kommt zu uns. Da ist es oft das erste Mal, dass er mit einem Israeli wie mir überhaupt spricht. Er hat über die Israelis so viel Negatives gehört und vielleicht auch selbst erfahren und jetzt steht da am Dirigentenpult der ‚Feind’. Was macht der ‚Feind’? Er versucht die Musiker dazu zu bringen, das Gleiche zu tun, den gleichen Ton, die gleiche Länge, die gleiche Dynamik. So verbringt der junge Syrer sechs Stunden Probe. Beim Abendessen mag er denken, dass der am Dirigentenpult immer noch ein Monster ist, aber die Probe war doch recht interessant.“



Foto (C) Helga Fitzner

Foto (C) Helga Fitzner

Foto (C) Helga Fitzner


Auch wenn die Musiker des WEDO sehr auf ihre Arbeit konzentriert sind, verfolgen sie die Ereignisse im Nahen Osten natürlich mit. Sie bewundern den Mut der Oppositionellen, die sich den Diktatoren entgegen stellen, aber sie sind auch besorgt. Jedes Jahr glaubten sie, es könne nicht schlimmer werden, aber jedes Jahr ist es doch schlimmer geworden. Vielleicht fördert das aber das Durchhaltevermögen, zusammen so wundervolle Musik zu machen. Sie werden daher gern als Friedensorchester glorifiziert, aber Daniel Barenboim lehnt das ab. „Es ist nicht so, dass die Musik zum Frieden inspiriert. Das stimmt nicht. Was die Musik macht? Sie bringt uns alle zu einer Koordination von Individualität und Kollektivität, wie es sie sonst nirgends gibt. Es reicht nicht, es nur so zu machen wie alle, man muss individuell bleiben. Dazu muss man aber zuhören, was die anderen spielen. Es ist eine Beziehung zwischen Individualität und Kollektivität. Wenn man es richtig macht, das gilt für jedes Orchester, nicht nur für uns, ist man im Dialog.“

Was dann bei der Aufführung geschieht, ist magisch, denn es schweißt den nah-östlichen Mikrokosmos der Musiker zusammen. Daniel Barenboim erklärt sich das so: „Wir suchen keinen Konsens in unserem Orchester, wir zeigen einfach, dass wir alle zusammen gehören, ob wir wollen oder nicht. In dem Moment, wo das Konzert los geht, gehören wir zusammen, denn wir haben das gleiche Schicksal und ein gemeinsames Ziel. Das ist es, was die Musik uns gibt. Musik ist nicht nur Gedanke, sondern auch Gefühl. Und wenn man mit so viel Leidenschaft gedacht und gefühlt hat, dann schaut man auch auf den ‚Feind’ ein bisschen anders. Der ist vielleicht sogar ein bisschen attraktiv. - Hier bei der Pressekonferenz stellen Sie eine Frage und ich höre zu, dann gebe ich eine Antwort und Sie hören zu. Im Orchester müssen wir beides gleichzeitig machen. Edward Said sagte immer, der Kontrapunkt ist nicht nur die Basis der Musik, Kontrapunkt ist die Basis der menschlichen Existenz. Wir sind alle immer im Kontrapunkt: Denken, Fühlen, Bauch, Kopf, Disziplin, Leidenschaft. Es geht immer hin und her zwischen beidem.“

Am Sonntag, den 28. August 2011 wird dann die Ode „An die Freude“ erklingen mit der Vision, dass alle Menschen Brüder werden. Damit möglichst viele Menschen dieses Ereignis teilen können, werden am Kölner Roncalli-Platz Bildschirme aufgestellt und zeitgleich ein öffentliches „Classic Viewing“ stattfinden.


Helga Fitzner - 24. August 2011
ID 00000005343
Die obigen Fotos zeigen Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra bei einer Probe zur Aufführung sämtlicher Beethoven-Sinfonien in der Kölner Philharmonie - Fotos (C) Helga Fitzner

BEETHOVEN-ZYKLUS DES
WEST-EASTERN DIVAN ORCHESTRA:

8. / 9. Sinfonie (Berliner Waldbühne, 21.08.2011)

1. / 2. Sinfonie (Kölner Philharmonie, 23.08.2011)

3. / 4. Sinfonie (Kölner Philharmonie, 24.08.2011)

EINTRITT FREI!

5. / 6. Sinfonie (Kölner Philharmonie, 25.08.2011)

9. Sinfonie ("Classic Viewing" auf dem Kölner Roncalli-Platz, 28.08.2011)


Weitere Infos siehe auch: http://www.west-eastern-divan.org


http://www.koelner-philharmonie.de



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