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Interview: Kurator Baur über Jules Verne und die Ausstellung „In 80 Dingen um die Welt“ im Museum für Kommunikation Berlin

Joachim Baur ist Kurator der aktuellen Sonderausstellung „In 80 Dingen um die Welt. Der Jules-Verne-Code.“ im Museum für Kommunikation (MfK) Berlin. Sein Job ist es, selbst alte Sammlungsstücke in einem neuen Licht zu zeigen und damit für ein breites Publikum interessant zu machen. Neben der Auswahl der Exponate gehört dazu auch die Entwicklung einer besonderen Geschichte, anhand derer die Stücke präsentiert werden.

Jules Verne und Heinrich von Stephan (Foto) – der eine ist der Schöpfer des berühmten Romans „In 80 Tagen um die Welt“, der andere war einst Generalpostdirektor des Deutschen Reichs. Wieso sind gerade diese beiden Männer die Protagonisten der aktuellen Sonderausstellung?

Verne und von Stephan sind sich nie begegnet und doch atmeten sie den gleichen Geist der Zeit: Die Welt, das Reisen, der Verkehr – am Ende des 19. Jahrhunderts wurde alles um sie herum immer schneller. „Die Erde ist kleiner geworden, weil wir sie heute zehn Mal schneller umrunden können, als noch vor 100 Jahren“, schrieb Jules Verne 1872 in seinem weltbekannten Reiseroman. Im selben Jahr veranlasste Generalpostdirektor Heinrich von Stephan die Gründung eines Postmuseums und legte damit den Grundstein für das heutige Museum für Kommunikation. Die Umbrüche des 19. Jahrhunderts faszinierten beide Männer gleichermaßen und inspirierten sie zu ihren Werken. Auf den Spuren des Romanhelden Phileas Fogg erzählen wir die Geschichte der Globalisierung und des Reichspostmuseums.

Welche Ausstellungsstücke liegen Ihnen besonders am Herzen?

Von der „Collection Jules Verne“ im französischen Amiens, einem der Orte, an denen Vernes Nachlass verwaltet wird, haben wir einige wunderschöne Leihgaben erhalten. Mein Lieblingsexponat ist ein Globus, der jahrelang auf dem Schreibtisch des Romanciers stand. Auf diesem hat Verne kleine Zeichnungen vorgenommen, um sich seine Geschichte selbst vor Augen führen zu können – ein besonderes Stück, das für Vernes literarischen Bezug zur Welt steht. Ein sehr viel größerer Globus stand einst auf dem Giebel des Reichspostmuseums. Drei Männer schultern die Weltkugel und symbolisieren damit die weltumspannende Bedeutung von Post und Telekommunikation. In der Ausstellung (Foto) zeigen wir das fast zwei Meter hohe Entwurfsmdell des Bildhauers Ernst Wenck aus dem Jahre 1897. Gern mag ich auch den Schmuckanhänger, den ein Teil des 1858 ersten verlegten Transatlantikkabels ziert. Mithilfe dieses Kabels konnten zum ersten Mal Telegramme zwischen Europa und Amerika versandt werden. Damals, um 1860, löste diese Neuerung eine so große Faszination aus, dass sich manche Leute aus diesen Kabeln Schmuckstücke fertigen ließen.

Was ist das Besondere an Jules Vernes Werk „In 80 Tagen um die Welt“?

Ich habe den Roman als Jugendlicher gelesen und fand ihn inspirierend. Es ist eines der Bücher, die für mich eine Welt geöffnet haben. Über 100 Jahre ist er alt aber noch heute unglaublich spannend und witzig. Gemeinsam mit Fogg und dem Gehilfen Passepartout bereist der Leser, ob jung oder alt, die verschiedensten Orte auf der Welt und meint diese beinahe sehen und erfühlen zu können. Insofern ist die Ausstellung für mich eine Hommage an die Lektüre und Ideen meiner Jugend.

Ein Buch für „jung und alt“ also. Gilt das in gleichem Maße für die Ausstellung?

Absolut. Das Wichtigste ist für uns, ein Thema, das scheinbar weit weg ist, in Bezug zur Gegenwart zu setzen und so aufzubereiten, dass es den Besuchern Freude bereitet. Man kann sehr viel über die bahnbrechenden Entwicklungen der Globalisierung lernen und wird feststellen, dass unsere heutigen Erfahrungen mit der ständigen Beschleunigung des digitalen Zeitalters mit denen von damals vergleichbar sind. Dabei richten wir uns genauso an Familien mit Kindern, wie an Geschichtsprofis. Denn es gibt sicherlich tolle Objekte und die eine oder andere Information, die auch Experten noch nicht kennen.

Die Ausstellung „In 80 Dingen um die Welt. Der Jules Verne Code“ ist noch bis zum 22. Februar 2015 zu sehen. Bis dahin versteckt das Museum für Kommunikation täglich in einer digitalen Schnitzeljagd Freikarten an geheimen Orten in Berlin, die mit der Vernetzung der Welt in Zusammenhang stehen. Daneben erwarten euch auch andere tolle Preise.

Ihr wollt euch vorab ein Bild von der Ausstellung machen? Livekritik.de war bereits drin! Hier geht’s zum Reisebericht unseres Tweet-ups.

von Anne Grasmay und Laura Lucas

Eingang zur Ausstellung mit den Porträtbüsten von Heinrich von Stephan und Jules Verne © Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Sandra Wildemann
Salon mit Globus des Bildhauers Ernst Wenck & (r., im Hintergrund) dem Globus von Jules Verne © Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Sandra Wildemann

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